Mittwoch, 25. September 2013

GUTES TUN

 
 Manchmal stören mich Sachen,
die mir ja wirklich egal sein könnten.
Naja, nobody is perfect.
Es geht da um die Aktion eines großen Lebensmittelhandelskonzerns,
der an der Kasse die Kunden fragt, ob sie den zu bezahlenden Betrag aufrunden möchten,
und die paar Cent werden dann gespendet.
Ich mag so Zwangsbeglückungen nicht,
die von den Werbeleuten einer Firma erfunden wurden
und weniger den Armen,
dafür umso mehr den Umsätzen des Handelsriesen nützen.
Denn das Gefühl ein guter Mensch zu sein,
kann man nirgends günstiger bekommen.
Kostet nur z.B. 3 Cent.
Augenauswischerei fällt mir dazu ein.
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Aus "Walden" - Henry David Thoreau.
"....Nichts hat einen so schlechten Beigeschmack wie falsche Güte. Sie ist anrüchig für den Menschen wie für Gott. Wenn ich mit Bestimmtheit wüßte, dass jemand in der bewussten Absicht zu mir kommt, mir Gutes zu tun, ich würde aus Angst, etwas von diesem Virus könnte sich meinem Blut mitteilen, davonlaufen wie vor dem Samum, dem heißen, trockenen Wind der afrikanischen Wüsten, der Mund, Nase, Ohren  und Augen mit Sand füllt, bis man an ihm erstickt. Nein, lieber würde ich auf natürlichem Weg das Böse hinnehmen. In meinen Augen ist ein Mensch noch nicht gut, weil er mir zu essen gibt, wenn ich hungrig bin, mich wärmt, wenn ich friere, oder mich aus dem Graben zieht, falls ich in einen hineinfallen sollte....."

Kommentare:

  1. Danke, Ingrid, da forumulierst du ein Missbehagen, das mich angesichts dieser "Aufrund-Aktion" auch heimgesucht hat. Und ein perfekt passendes Zitat hast du auch gefunden.
    Grüße aus Wien! Andrea

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  2. Ist mir noch nie passiert, dass mich jemand an einer Kasse gefragt hätte, ob ich den Klimperbetrag spenden möchte und wenn so etwas passieren sollte, sage ich glatt nein - und weil ich die Wahl habe, ist das in meinen Augen keine Zwangsbeglückung. Erfolg werden die aber trotzdem haben, weil die meisten Kunden ja sagen werden, aber nicht, weil sie sich dadurch das Gefühl, ein guter Mensch zu sein, kaufen wollen, sondern weil sie das Klimpergeld im Geldbörsel nicht wollen.

    Was nun Mr. Thoreau betrifft: Der Mann war mir bisher nicht bekannt und darum habe ich schnell in seinen Zitaten quergelesen. Ehrlich gesagt sind seine Ansichten für mich nicht nachvollziehbar, teilweise weltfremd und konfus, aber jeder soll nach seiner Facon glücklich werden. Und das meine ich völlig wertfrei, denn ich gestehe jedem zu, so zu leben, wie er möchte.

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  3. stimme Gerlinde zu, ist ja freiwillig. Ich lasse mir diese verhassten Kupfernen sowieso nie herausgeben, egal wo.
    Also warum sollen sie nicht der Caritas zugute kommen. Da finde ich es eher als Zwangsbeglückung wenn ich auf Autobahnen fürs Pinkeln zahlen muss. Aber das ist eine andere Geschichte :-)
    lg
    karl

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  4. das klimpergeld lasse ich auch immer zurück
    dass eine firma sich damit brüstet, ist wirklich augenwischerei

    und was ein guter mensch ist
    naja wer entscheidet das
    thoreau ist in vielen dingen leicht daneben so auch in diesem fall
    auch wenn ich manchmal auf seine schönen worte hereinfalle
    lassen wir ihn einen schlechten menschen sein wenns ihm damit besser geht
    ich bin kein guter mensch kein schlechter mensch
    ich bin einfach mensch und möchte nicht nach gut und schlecht aufgewogen werden

    kleines thema grosser aufwand...

    nebelgrüsse in deinen tag
    rosadora

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  5. da sie es hier in D auch machen mit dem Aufrunden, kann ich mitreden und finde es schlicht ein Unverschämtheit. Langsam aber sicher werden sie uns das Kleingeld ganz und gar abgewöhnen wollen, dass man nur noch electronisch zahlen KANN und damit vollkommen unter Kontrolle ist.
    Ich bin eine Arme im Sinne des Armutsberichts in D (als arm gilt, wer.....) und gebe trotzdem vom Wenigen, aber ganz bestimmt niemals nach Aufforderung.
    Ich verstehe Thoreau so, dass es ihn graust vor den falschen "Heiligen" und das kann ich bestens verstehen.
    Hier machen sie es übrigens auch beim Pfandflaschenautomaten (damit schlägt sich in A keiner rum?) du kannst deinen Wertbon ausdrucken lassen oder auf SPENDE drücken. Es gab wohl eine Menge böses Blut, weil die Leute die Wahlmöglichkeiten übersehen hatten nach deren Neueinrichtung. Jetzt kann man nicht mehr versehentlich auf SPENDE drücken.
    M. wünscht schönen Tag

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    1. Oh, ich bin unvollständig: das Bargeld soll uns abgewöhnt werden, angefangen beim Hartgeld.
      Liebe Leute, was wird dann mit euren Sparstrümpfen unter den Kopfkissen???

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  6. Ja, die falsche Güte und Barmherzigkeit. Das scheinheilige Getue mag ich auch nicht, aber Thoreau schiesst meiner Meinung nach doch arg übers Ziel hinaus. Wenn mich jemand aus dem Graben heraus zöge (den ich nicht selber verlassen könnte), wäre das ziemlich sicher nicht falsche, sondern absolut richtige und verdankenswerte Güte. Und die ist nie verkehrt!

    Aber grundsätzlich ist es schon so: Falsche Güte ist schlimmer als gar keine!

    Wünsche dir einen klimperlosen Tag und sende sonnenfrische Grüsse,
    Brigitte

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  7. Stimmt,....aber es ist ein Anfang.......
    Es fehlen halt einfach die "Grundlagen".....
    Sei lieb gegrüßt
    Rosi

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  8. hier bei unserer zeitung gibt es eine *aktion advent*
    da spenden alle was das zeug hält
    und wir bekommen formulare und sollen bedürftige vorschlagen
    da krieg ich immer stumpfe zähne

    anstatt dass alle genug zum leben haben
    dann brauchts keine milden gaben
    liebe grüße
    birgit

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  9. Ingrid, ist mir heute auch passiert. Ih spende, wenn ich will.
    Thoreau habe ich heute auch zum Thema. Allerdings in einem
    etwas anderen Zusammenhang.
    Einen schönen Mittwoch wünscht dir
    Irmi

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  10. danke für eure interessanten kommentare.
    ich bin immer ungenau - das buch "walden" von henry david thoreau ist von 1854.
    und an der aktion hat mich geärgert, dass sie eine manipulation der gefühle ist. die paar tausend euro, die so im monat zusammenkommen, könnte der konzern aus der portokasse spenden.

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