Donnerstag, 2. Juni 2016

NOCHMALS VOM STERBEN

 Dass wir körperlich sterben,
das ist ziemlich sicher.
Wir lernen alles Mögliche,
Sinnvolles und Sinnloses,
Kurse fürs Sterben machen wir nie.
Die Beschäftigung mit diesem zentralen  Erlebnis wäre wichtig,
denn ich denke,
man kann sehr wohl darauf Einfluss nehmen.
Vielleicht kann man sich den Zeitpunkt und die Art nicht aussuchen,
dazu bräuchte es viel mehr Bewusstheit,
aber in vielen Fällen müsste man sich nicht so hilflos überrascht anstellen.
Lebensverlängerung ist bei uns gefragt -
ein richtig alter Mensch wird von seiner Familie bewusstlos gefunden
und sogleich mit dem Hubschrauber in die Landeshauptstadt geflogen,
damit noch ein paar zusätzliche Lebensmonate herausgepresst werden können.
Hubschraubern ist modern.
Um jeden zusätzlichen Lebenstag wird gekämpft.
Wer erklärt mir den Sinn?



Kommentare:

  1. Kein einfaches Thema. Niemand von uns hat wirklich Erfahrung damit.
    Das künstliche Verlängern des bereits ausgehauchten Lebens finde ich auch grauenvoll.
    Immerhin gibt es dafür letztwillige Verfügungen, die man vorsorglich aufsetzen kann.

    Lieben Gruss über die Berge. Übrigens schön, dein Fahrradfoto mit Selbstbildnis.
    Herzlichen Morgengruss,
    Brigitte

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    1. alles sehr komplex.
      herzlich aus dem trüben tag

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  2. Geschäftemacherei oder menschenwürdige medizinische Begleitung?
    3 Klassen Medizin:
    °)First Class
    °)Economy Class
    °)Business Class
    Nur wer liebende Angehörige hat, darf hoffen dieser Maschinerie zu entkommen um nicht dahinvegetieren zu müssen.
    Nach dem klar ausgesprochenen Wunsch meines Partners "bitte hol mich nachhause" hätte ich es nie für möglich gehalten wie groß der Widerstand der "betreuenden" Ärzte und Pflegepersonal werden wird.
    Die Pflege daheim war anstrengend, aber es erfüllt mich mit tiefer Befriedigung, dass ich meinem Liebsten den Abschied in vertrauten Umgebung erleichtern konnte.
    In diesen 9 Wochen habe ich unendlich viel über das Sterben: das Weiter-leben-müssen und das Sterben-dürfen gelernt.
    Lieben Gruß
    Heide

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  3. Es ist reichlich verlogen, so zu tun, als sei das Leben um jeden Preis zu erhalten, und gleichzeitig die Renten zu kürzen, Zuzahlungen zur Brille und Zähnen usw. zu reduzieren bzw. streichen. Sollen wir zahnlos und blind mit Billigessen in heruntergekommenen Zimmern vegetieren?
    Gut das es Patientenverfügungen gibt, und gut, dass ich den Tod als Teil des Lebens bei Angehörigen erleben durfte und nachdenken kann.

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  4. Ich hab kürzlich einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht, demnach sind ausgebildete Ersthelfer, Ärzte etc. verpflichtet, auch bei aussichtslosen Fällen alles Menschenmögliche zu tun um das Leben zu retten oder zu verlängern... mich erschreckt das! Ich möchte im Alter einmal selbst entscheiden können, wann ich gehe und werde versuchen vorzusorgen, Patientenverfügung oder so...
    lg

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  5. der sinn?? ganz klar....das medizingeschäft,

    dort wo gewinn gemacht wird,wird alles mögliche getan um es zu optimieren.

    so wie heide heute geschrieben hat...aus dem persönlichen erleben ,aus der erfahrung lernt man unendlich viel.
    wenn die müden knochen sich hinlegen wollen....
    lass es!

    uns wurde doch nie etwas anderes erzählt,als dass wir nur diese mikrigen lebensjahre hätten.

    das soll das einzige sein?
    ich kenne zahlreiche fälle,die zurückgeholt wurden.
    mit unterschiedlichen erfahrungen.
    die meisten wollte gar nicht mehr.
    und sie lebten auch so weiter,dass es beim nächstenmal klapppt
    (der abschied meine ich)

    manche konnten auch besonderes berichten,was sie erlebt hatten.
    dieses hinüberschnuppern,
    und hatten keine angst mehr vom hinübergeboren werden.

    120 jahre sollte wir alt werden???????????
    wer will denn schon so lange herumhängen da???
    so einen unfug kann man ohnehin nur menschen ohne bewusstsein erzählen
    moderne märchen eben
    aber keine schönen!

    regengussgruß
    hibisca

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  6. @hibisca
    manche konnten auch besonderes berichten,was sie erlebt hatten.
    dieses hinüberschnuppern,
    und hatten keine angst mehr vom hinübergeboren werden.

    Genau sehe ich das auch. Ganz wundersame Vorkommnisse sind während dem
    Sterbevorgang und bis zum heutigen Tag passiert.
    Dankbare Grüße
    Heide

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  7. "Stirb, bevor du stirbst"

    Die meisten Menschen lieben das Leben, wollen genießen... Der Tod wird verdrängt, er ist tabu, an ihn möchte man nicht denken, nicht heute, vielleicht später mal.Die Liebe zum Leben kann so weit gehen, dass einige die Gewissheit, eines Tages sterben zu müssen, komplett ausblenden. Der Tod ist der schwerste Gang, den wir zu gehen haben. Vielen Dank, dass du daran erinerst, dass "die Beschäftigung mit diesem wichtigen Erlebnis wichtig wäre". Die Devise ist "Stirb, bevor du stirbst", sonst wird es sehr schwer. Es ist das kontinuierliche Vergegenwärtigen des eigenen Todes, des Bewusstseins,eines Tages von allem Loslassen zu müssen, aber auch wirklich von allem! Unser Sein ist nur ein vorübergehender Zustand. Diese Einsicht - so schwer sie auch fällt - ist die einzige und wahrheitsgemäße Vorbedingung, um eines Tages gehen zu können, ohne - wie erwähnt - "sich in vielen Fällen so hilflos überrascht anstellen zu müssen".

    Es gibt überhaupt keinen Sinn, um jeden zusätzlichen Lebenstag zu kämpfen. Gekämpft wird aber dennoch, wenn man sich bis dahin nicht mit dem mit Sicherheit eintretenden Tod angefreundet hat. Manche meinen auch, sie hätten das geschafft, bis es dann soweit ist... Bindungen aller Art, Wünsche, die noch nicht erfüllt sind... Auch die materiell motivierten Wünsche eines Klinikpersonals, das Leben eines Patienten zu verlängern, gibt es.
    Herzliche Grüße
    Artmis

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  8. genau, heide...es gibt so viele veröffentlichungen von betroffenen,
    von denen wir uns bereichern lassen können.

    die menschen brauchen wissen darüber.

    sonst passiert genau das ,wenn ein mensch an die grenze, an die schwelle des übertritts kommt,
    dass er merkt....er hat sein leben nicht gelebt...
    er hat fehler gemacht.....
    es gäbe noch einiges zu tun....
    und er kannn deshalb nicht loslassen.

    artemis....dadurch entsteht kampf...
    und kampf ist krieg...
    kein guter zustand.......

    nachdenkliche grüße
    hibisca

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  9. Liebe Ingrid,
    seit ich Sterbebegleitung mache, habe ich zum Sterben eine
    ganz andere Einstellung. Ich habe mich dazu entschlossen, als ich meinen
    Mann über 2 Jahre gepflegt habe - Tag und Nacht. Da habe ich erkannt, wie
    wichtig es ist, wenn einem in dieser Stunde ein Mensch zur Seite steht.
    Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Und was danach kommt? Ich weiß es
    auch nicht.
    Einen wunderschönen Abend wünscht dir
    Irmi

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  10. in euren kommentaren ist bereits alles gesagt. ein weites thema.

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  11. Ich empfehle das Buch von meiner Schwester, "Wer nicht alt werden will, muss früher sterben", weil sie da alles aufgeschrieben hat, was wir im Laufe der Pflege und des Todes meiner Mutter erlebt und verstanden haben. Holt es euch aus der Leihbücherei! Dieses "letzte Lebensmonate herauspressen" macht mich verrückt: die Mutter meiner Freundin wollten sie mit 92 noch operieren, wo klar war, dass sie am Ende ihres Lebens angekommen ist. Bei unserer Mutter haben wir ihren Wunsch respektiert, sie auf der Palliativstation sanft hinüberschlafen zu lassen, als es klar war, dass dieses Leben nicht mehr das wird, was sie leben wollte.

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