Mittwoch, 27. November 2013

SENTIMENTAL

 
Ich heize einen Kachelofen.
Normalerweise kaufe ich anonymes Holz dafür ein.
Diesmal habe ich beschlossen, es vom eigenen Grund zu nehmen.
Genug Bäume wachsen hier, zum Teil wild durcheinander,
ein wenig Auslichten kann nicht schaden.
Wie der erste Baum gefallen ist,
ich das gesunde Innere gesehen habe,
war mir zum Heulen zumute.
Als Mörderin habe ich mich gefühlt.
Das ist so wie mit Fleisch essen -
solange ich dem Schwein vorher nicht in die Augen schaue,
habe ich kein Problem damit.
Leben ist immer auf Kosten anderer.
Wir wollen es oft nicht wahrhaben.
Ach ja - und billiger ist das anonyme Holz auch.
Arbeitszeit ist teuer.
 
 

Kommentare:

  1. oh, ich kann dich sooo gut verstehen!!
    Ich bin schon seit einiger Zeit wach und stelle mir auch gerade wieder all diese Fragen, die an die Substanz gehen.
    was wir verbrauchen ohne Sinn und Verstand, einfach so aus Gewohnheit. Wir frieren? Ja, dann Heizung aufgedreht. Wir haben Appetit? (Hunger kennt man ja nicht mehr) Dann halt in den Supermarkt und genommen, was das Herz (meint zu) begehrt (en).
    Das kann nicht mehr lange gut gehen und die Folgen zeigen sich allüberall.
    Dennoch, einen tollen neuen Tag, dir, liebe Ingrid!

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    1. also heizen ist schon ziemlich angenehm. möchte ich nicht missen.
      sonnengrüße zu dir

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  2. vielleicht wäre es weniger schmerzhaft gewesen vorher einen Fachmann zu fragen, aber wäre es nicht genau so schlimm für dich wenn er weniger gesund ist? Der war wirklich noch kerngesund, hätte bestimmt noch 50 Jahre vor sich gehabt. That's life. der Ofen braucht Futter und du Wärme

    lg
    karl

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    1. bei den bäumen ist es mehr darum gegangen, was im weg steht ...
      lg

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  3. Oh ja, diesen Zwiespalt kann ich nachvollziehen. Da kann das Herz schon mal bluten.

    Ich hoffe, das später verheizte Holz wärmt dann so richtig schön und bringt auch das Innere wieder auf Wohlfühltemperatur.

    Sieh es nicht zu eng: Vielleicht tat das Auslichten ja insgesamt gut.

    Schöne Morgengrüsse zu dir,
    Brigitte

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    1. ja, insgesamt ist es sicher gut, wenn ein paar bäume fallen.
      alles liebe in deinen tag

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  4. Es gibt ja noch eine Möglichkeit der Gewissenberuhigung: neue pflanzen!!

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    1. pflanzen sich von selbst neu. wächst ohnedies alles wild durcheinander.
      lg

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  5. Nichts geht je verloren. Der Baum wird's also verkraften. Ich jedenfalls find's richtiger so...

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    1. ja, vielleicht. so sieht man wenigstens, wieviel arbeit das immer ist.
      lg

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  6. Wir hatten eine prachtvolle Birke mit 3 Stämmen auf dem Grundstück. Als diese fast das gesamte Areal mit Schatten versorgte und im Garten Moos und Waldpilze heimisch wurden, haben wir sie schweren Herzens gefällt. Das ist lange her, aber immer noch finde ich jedes Jahr kleine Birkenbäumchen, die sich aus den Samen entwickelt haben. Unser Baum bringt sich so immer wieder in Erinnerung ... und irgendwie fehlt er jetzt auch ein bisschen ...
    Einen lieben Gruß aus dem eiskalten, aber sonnigen Wald,
    Angela

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    1. bei mir sät sich auch alles mögliche immer wieder aus. kreislauf, der ewige.
      sonnige grüße zu dir

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  7. erinnert mich an das lied "mein freund der baum ist tot" http://www.youtube.com/watch?v=BKDT79XC01c
    naja, aber für die anderen bäume ists sicher nicht schlecht, wenn etwas ausgelichtet wird..
    liebe grüße, maje

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  8. Ich erinnere mich noch an den Tag, als man den Baum vor dem Kinderzimmer - Fenster fällte. Die Erdgeschosswohnung hatte ich genommen, weil ich mich darüber freute, dass die Kinder (obwohl in der Stadt), diesen Baum haben würden. Wir sahen ihn lange wachsen, Früchte tragen und Schnee, seine Blätter abwerfen und neue entfalten. Als die Motorsäge aufheulte haben wir auf dem Boden gesessen und geweint. Ein Freund war fort. Später habe ich mit Fingerfarben die Baumkrone ins große Fenster gemalt. Das war kein Ersatz. Aber eine Erinnerung...

    Ich liebe Deine Gedankengänge und finde mich sehr oft in ihnen wieder.

    Alles, alles Liebe von der Nordseeküste, Gabriele
    http://www.blog.de/user/prinzessinohneerbse/

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    1. ich kann mir die trauer um einen persönlichen baum gut vorstellen. der einen durchs jahr und durch die zeit begleitet.
      alles liebe in den norden

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    2. Nun habe ich hier ( drei Jahrzehnte später), den Baum vor dem Haus auf dem Bürgersteig. Nein, er gehört nicht mir, sondern der Stadt, aber ich schau' auf ihn, gieße ihn im Sommer und hab' ihn wachsen sehen, von klein an. Da kommt ein Frevler und bricht in der Nacht den allergrößsten Ast ab. Das tut mir weh... Dem Auto reißt man zeitgleich den verstellbaren Seitenspiegel herunter. Das schmerzt fast noch mehr, denn nun kann ich nicht mehr fahren. Ich vermeide es jetzt aus den Fenstern hinunter auf die Straße zu schauen. Um mir den trostlosen Anblick zu ersparen. Wie roh sind doch manche Menschen...

      Alles Liebe zu Dir, ich hoffe Du hattest einen genußvollen 1.Advent!!
      Gabriele

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