Samstag, 14. Mai 2016

GELESEN


Meist finde ich Bücher am Bücherflohmarkt oder in einer Buchkiste.
Selten kaufe ich sie neu.
Das Buch von Andre Heller wollte ich haben.
Nett.
Die Sprache ist altösterreichisch.
Herzmanovsky-Orlando, Gregor Rezzori fallen mir dazu ein.
Blumig. Irgendwie altmodisch.
"Für unsportliche Buben gibt es bis zur Entdeckung des Onanierens wenig, das der eigene Körper an interessantem Zeitvertreib bereithält. ...Buben hingegen bleibt wohl neben dem Nägelbeißen, Nasenbohren und Rülpsen als Erfüllendstes das Furzen.
In Julians Familie gebrauchte selbstverständlich niemand dieses reichsdeutsche Wort, das allzu kantig klingt, gemessen an der Geschmeidigkeit und Gestaltlosigkeit dessen, was es bezeichnet.
Wenn jemand gelegentlich unabsichtlich oder unvermeidbar in Gesellschaft einen fahren ließ, schob man die Schuld einem zahmen Fuchs zu, der lediglich in der Einbildung existierte und auf den schönen Namen Zatopek hörte. ... Julian selbst hatte sich unter dem Einfluss seines dialektsicheren Schulfreundes für Schas entschieden. Letzteres ist allerdings in Wien weit mehr als der Name von dem Körper entwichenen Gasen. Es bedeutet Weltekel, Einsicht in die Lächerlichkeit aller Politik, allen Ehrgeizes, ja jeden Tuns schlechthin. "Die ganze Welt is a Schas" fasst in einem Satz zusammen, was Hunderte pessimistische Philosophen auf Tausenden Buchseiten zu ergründen versuchten."
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Nach Marrakesch muss ich nochmals reisen.
Wo doch jetzt der Garten von Andre Heller fertig ist.
Und den möchte ich sehen.
Welche Fantasien er ins Nirgendwo gezaubert hat.


Kommentare:

  1. Ja, der André Heller, für mich sind es seine Lieder in den 70ern und frühen 80ern und seine Stimme. Beides in einer melancholisch, morbiden Gefühlslage, für mich der Inbegriff des Wienerischen. Immer wieder mal leuchten diese Gefühle auch in deinen wunderbaren Texten und Bildern auf und augenblicklich fühl ich mich erstaunlich bejaht, viele Schwestern oder Brüder im Geiste gibt es ja wahrlich nicht. Ich kann's nicht verstehen, warum ich mich so hingezogen fühle, ich war nie in Wien, vielleicht sind's die Gene, das südliche Baden(D)gehörte über 400 Jahre lang zur Habsburger Monarchie. Ich wünsche viel Spass und Freude beim Lesen des neuen Buches von André Heller, ein richtig schönes Rollerwetter gibt es ja leider nicht zu Pfingsten.
    Artmis

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  2. danke für deinen lieben kommentar. ich mag das morbide, raunzerische auch sehr.
    liebe grüße aus dem wechselwetter

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