Montag, 15. April 2013

NIMMER BEACHTENSWERT

Selbstbedienung im Park
Mein bester Freund ist sehr krank, eigentlich sollte er schon längst tot sein.
Was mich an seinem Zustand verletzen und stören würde (neben tausend anderen Dingen),
ist die Reaktion der Mitmenschen.
Freunde rufen nicht mal mehr an, von Besuchen spreche ich gar nicht, weil sie die Konfrontation mit Tod und Sterben nicht aushalten.
Wenn ich mit ihm unterwegs bin, spricht z.B. die Bedienung im Lokal über ihn hinweg mit mir.
Es würde mich treffen, wenn ich noch lebendig und für die Menschen teilweise schon tot wäre.
Nimmer beachtenswert.
Er trägt das mit Fassung.
Wahrscheinlich wird es neben all den Leiden bedeutungslos.


Kommentare:

  1. Wie traurig! Und wie unfair von den Mitmenschen!
    Ich wünsche ihm viel Kraft und innere Stärke, um diese Demütigungen wegzustecken. Zum Glück hat er dich - das entschädigt wohl für manche Schmach...

    Alles Liebe euch beiden in die neue Woche!
    Und ein Lob für das schöne, sanfte Bild.

    Gruss, Brigitte

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    1. danke für deine lieben zeilen. ja, kranksein ist nicht besonders witzig.
      herzgrüße zu dir

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  2. Liebe Ingrid, du sprichst mir aus der Seele.
    Ich bin mit meinem Liebsten ebenfalls in dieser Situation. Nach 6 Wochen Krankenhausaufenthalt mit katastrophalen Begleiterscheinungen was Betreuung von Ärzten und Schwestern betrifft, pflege ich ihn jetzt seit 4 Wochen zu Hause. Sämtliche Ärzte haben mir dringend abgeraten und Horrorszenarien vorausgesagt. Das Mobile Caritas Hospiz Dienst ist für mich jetzt Ansprechpartner und versorgt uns bestens rund um die Uhr.
    Aber wo bleiben die "lieben" Verwandten, wo seine Geschwister, wo sein Sohn? Sind in Deutschland, aber nicht am Ende der Welt. Auch meine Angehörigen halten sich fern, warum?
    Für mich ist es anstrengend, Stress, aber ein zufriedenstellender Stress, denn es ist mein größtes Liebesgeschenk an ihn.
    Ich tröste mich mit dem Gedanken, eigentlich bin ich froh, dass niemand kommt, so kann ich mit ihm allein sein.
    Eine hilfreiche Schutzbehauptung!
    Lieben Gruß Heide

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    1. ja, es möchte niemand etwas damit zu tun haben. kranksein passt nicht in unsere leistungsgesellschaft.
      alles liebe für dich und deinen mann

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    2. liebe heide, (bloginhaberin bist du nicht?) wie gut, dieses stichwort "Mobile Caritas Hospiz" wir hätten es gebraucht, gerade. leider hatte ich keine ahnung und bin traurig über mein fehlendes wissen.
      liebe ingrid, genau was du schreibst, hat mir der mann oft erzählt, der diese erfahrung des überdenbetroffenen hinwegguckens/redens mit seiner schwester oft machte.
      hilflose menschen halt oder nur dumme?
      liebe grüße
      m.

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  3. Liebe Ingrid,
    es ist traurig, wie wenig Herz und Mitgefühl in uns lebt.
    Alle vergessen aber, dass jeder von uns in diese Situation
    kommen kann oder gar kommt. Ich habe das am eigenen Leib erfahren,
    als mein Mann so krank war. Auf der Beerdigung waren alle wieder
    da - aber da war es zu spät. Und mit den Menschen mag ich auch
    nichts mehr zu tun haben.
    Liebe Grüße
    irmi

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    1. ja, bei meinem vater war es auch so. nicht mal ins krankenhaus sind manche freunde gekommen. zur beerdigung haben wir gar niemanden eingeladen.
      lg in deinen sonnigen tag

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  4. Ich kann auch nur TRAURIG dazu sagen und ich bin einfach immer wieder erstaunt, wie die Menschen meinen den Tod ausblenden zu können und oft wegschauen - oder ist es einfach Angst und Unvermögen? ... wenn ja, grad noch einmal traurig!!
    Wurde bei meinem ersten Wespenstrichüberreaktion vom Arzt auch nicht direkt angesprochen, obwohl ich eigentlich nur monströs aussah und nicht mehr gut atmen konnte.... von mir hätte er meine Befindlichkeit direkt bekommen, so musste ich meine Freundin immer wieder korrigieren und sie musste es ihm dann noch einmal wiederholen... ich konnte es kaum fassen... aber das war ja Pipifaz!!
    Wünsche dir und deinem Freund heute einen sonnigen Freuden-Tag und wer weiss vielleich fliegt ihr ja auch noch ein bisschen aus...
    bbbbbrigitte

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    1. ich kann mich manchmal nur wundern. denken die leute, wenn sie nicht hinschauen, dann gibt es keine krankheit und keinen tod?
      ja, sonnig da. schön.
      liebgrüße in deinen sommertag

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  5. wir lernen es nicht mehr mit tod und krankheit umzugehen
    es wird alles ausgelagert
    und zum anderen werden wir so überinformiert mit leid und tod überall in der welt
    dass ich oft nach luft schnappen muss und gar nix mehr hören mag
    und menschen die nur auf sich schauen sind leichter zu lenken im hamsterrad
    allerliebste grüße
    birgit

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    1. ja, niemand will mit krankheit und tod etwas zu tun haben.
      liebgrüße in deine urlaubstage

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  6. Ja,....so ist es........
    Es ist nun mal in unserer Gesellschaft so,....dass alte Menschen ignoriert, für dumm gehalten und nzu nicht mehr brauchbar gehalten werden.....
    Das mit Deinem Freund ist sehr traurig......aber Du bis ja noch da......
    Alles Liebe
    Rosi

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    1. in unserer leistungsgesellschaft muss man funktionieren. wenn nicht, wird man in ein eck abgeschoben.
      alles liebe zu dir

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  7. Ganz schön traurig :-( Kranksein und sterben hat anscheinend in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr. Es entsetzt mich zwar, wundert mich aber nicht wirklich bei dem ganzen Schönheits- und Jugendwahn der in den letzen Jahren so um sich gegriffen hat. Wenigstens hat dein Freund noch dich - alle anderen kann man dann wohl kaum als Freunde bezeichnen.
    Liebe Grüße
    Sabine

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    1. heute erst die worte von konrad paul liessmann, philosoph gelesen:
      "...man erlaubt uns nicht, in gelassenheit älter zu werden. man muss dem bild des aktiven seniors entsprechen, der fit, sportlich und lernbereit ist, sexuell aktiv und sich den neuen technologien öffnet. der alternde steht in seinem altern genau unter dem leistungsdruck, von dem er gehofft hat, das alter würde ihn davon befreien. ..."
      und wenn man dann noch krank ist, gehört man ganz zu den verlierern.
      lg zu dir

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  8. schön, dass du ihn beachtest ! und zeit mit ihm teilst, vielleicht bist du deswegen heuer nicht so viel unterwegs ??

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  9. Wenn ich das Bild deines Freundes ansehe, würde es einem schwer fallen, darin einen schwerkranken Menschen zu sehen. In diesem Falle dürfte der Schein trügen, oder ist es ein Bild aus besseren Zeiten?
    Nur so wäre es erklärbar, wenn du heute schreibst, dass bei Lokalbesuchen die Bedienungen an ihm vorbei nur mit dir reden. Tragisch ist es auf alle Fälle und die Abwendung seiner früheren Freunde ist sicherlich schmerzlich, zeigt aber auch den Charakter dieser Personen.

    Schön, dass wenigstens du ihm die Freundschaft erhälst und ihn auf seinem schweren Weg begleitest.

    Blinkyman

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