Samstag, 20. Februar 2010

DONNAS SCHREIBPROJEKT FEBRUAR 2010

Sie wusste nicht, wie sie in dieses Zimmer gekommen war ....

Sie öffnete die Augen. Der Raum, in dem sie sich befand, war fremd. Fremd und leer. Kahle Wände, unbewohnt, sonnenbeschienen, mit Ausblick ins Grüne. Sie fühlte sich wohl in diesem Zimmer. Sie stand vor ihrer Zukunft. Die gelebt und gestaltet werden konnte. Alle Wege standen offen, nichts war vorgegeben. Es lag allein an ihr, wie die Wände demnächst aussehen und welche Einrichtung hier stehen würde. Sie war die Architektin der kommenden Zeit und niemand würde ihr dreinreden können.
Sie drehte sich um. Der Saal, der hinter ihr lag war groß, abgebröckelte Mauern, dem Verfall preisgegeben. Das war die Vergangenheit aus der sie kam. Eine schwierige Zeit mit schrecklichen Erlebnissen. Sie wollte und konnte nicht mehr daran denken, zu grauenvoll war das Geschehen gewesen. Sie hatte flüchten müssen, in ihrer Heimat war Krieg. Alles war verloren, sie wusste nicht, was mit ihrer Familie geschehen war. Eigentlich wusste sie nichts, denn sie hatte ihr Gedächtnis verloren, eine schweigende Mauer hatte sich in ihrem Gehirn aufgebaut, nur so konnte sie all den Gräuel, den sie in den letzten Monaten erlebt hatte, ertragen.
Aber hier war sie sicher, hier hatte sie Aufnahme gefunden, hier konnte sie neu beginnen. Sie schloss die Verbindungstür zwischen den beiden Räumen und wandte sich dem Licht zu. Schritt für Schritt der Zukunft entgegen.


Kommentare:

  1. Eine Geschichte zum Nachdenken, gut geschrieben, danke, Ingrid!

    AntwortenLöschen
  2. Mir gefällt deine Geschichte auch, Ingrid. Die zwei Zimmer als Symbole für zwei Lebensabschnitte - und das nun gewählte scheint Glück und eine helle Zukunft zu verheissen.
    Schön!

    Gruss, Brigitte

    AntwortenLöschen
  3. Schön zu lesen. So ähnlich habe ich mich gefühlt, als ich nach der Scheidung meine erste eigene Wohnung einrichten durfte, auch wenn ich nicht so schreckliche Ereignisse zu überwinden hatte.
    Danke von Christine

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Ingrid!

    Es erstaunt mich immer wieder mit wie wenigen Worten du so eindringlich etwas einzufangen vermagst. Hut ab! Auch die Fotos zu deiner gelungenen Geschichte sind gut ausgewählt.

    Herzliche Grüße - Donna

    AntwortenLöschen
  5. Du hast einen Anfang sehr eingänglich beschrieben und perfekt illustriert! Über ein paar mehr Worte hätte ich mich gefreut - was als Kompliment gemeint ist ;)
    Herzliche Grüße!

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Ingrid

    die absolut passende Geschichte für meine momentane Situation, wenn auch die Vergangenheit nicht schrecklich war, steht ich doch vor dem neuen Tür.

    Tolle Geschichte, hab sie gerne gelesen. Ja manchmal braucht es nicht viele Worte.

    Liebe Grüsse
    Brigitte

    AntwortenLöschen
  7. Ganz wunderbar bildlich beschrieben und noch bebildert.

    Klasse. Und man wünscht ihr einfach spontan,dann nun alles gut wird.

    AntwortenLöschen
  8. Erfrischend kurz und knapp, doch genau deswegen eindringlich.
    Liebe, Grüße, Petra

    AntwortenLöschen
  9. fantastisch, wie einfühlsam und eindringlich Du diese geschichte in worte und bilder kleiden kannst. jeder von uns hat schon ähnliches erlebt, oft denke ich auch an meine schülerInnen, die nicht das glück hatten, ihr gedächtnis zu verlieren und mit alldem schrecklichen ihr leben lang belastet sind. Du mußt wissen, ich unterrichte in Hernals, mindestens 50% ausländerInnen, die meisten sehr brav und fleissig, die wissen, wofür sie lernen. Alles Liebe kri

    AntwortenLöschen
  10. ein wunderbares bild für das
    aufgezwungene abblättern der vergangenheit -
    zuversicht kann aufkommen...
    geschrieben, als würdest du außer schreiben nichts anderes tun!
    gruß von sonia

    AntwortenLöschen
  11. Kurz und knackig. Ich hätte aber auch noch gerne etwas mehr lesen können. Der Schrebstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen.

    Hat mir gut gefallen.

    Liebe Grüße,
    gori

    AntwortenLöschen
  12. Hoffnung in vier Wänden - Starke Ausführung Ingrid. Liebe Grüße
    bigi

    AntwortenLöschen
  13. yeah kurz und knapp
    den rest zum selbst im kopf denken
    so mag ich das

    AntwortenLöschen
  14. danke für eure netten und interessanten kommentare.
    bei mir werden die geschichten immer kurz, ich kann nicht länger schreiben. shortshort story. ihr müsst halt dazufantasieren.

    AntwortenLöschen
  15. Eine kurze, eindringliche Geschichte, die von den Fotos gut ergänzt wird. Hat mit gefallen.
    Herzliche Grüße
    Jorge D.R.

    AntwortenLöschen
  16. Eine sehr schöne Geschichte voller Hoffnung.

    AntwortenLöschen
  17. Eine wunderbare Geschichte und so einfühlsam, die macht innerlich schon die Türen auf.

    AntwortenLöschen
  18. nochmals danke für die wunderbaren kommentare.!

    AntwortenLöschen