Freitag, 11. März 2011

BLICK NACH OBEN


Im Stift Zwettl.
Die Energie dieser stillen Orte umfängt mich wie ein Heimkommen.
Auch hier sind noch keine Touristen unterwegs,
die steinernen Engel und Löwen frieren einsam vor sich hin.


Wenige Momente genügen, um die Ruhe, die Stille, das Glück zu spüren.
Krafttankplätze.
Fotos von Dächern und Simsen sind es heute geworden.


Im Innenhof nisten im Sommer Mauersegler und erfüllen den Ort mit lauten Rufen.
Jetzt sind in die verwaisten Behausungen Spatzen eingezogen.
Sie stehen ihren Artgenossen im Lärmen um nichts nach.
Ob die Untermieter demnächst aus den Bauten ausziehen müssen?

Donnerstag, 10. März 2011

AM LIEBLINGSSEE

Ein Kurzausflug hat mich zum Traunsee gebracht.

Die Villa Toscana - ein Veranstaltungszentrum - mit vielen guten Erinnerungen.
An Erfolge, Sex und Geld.
Im Rückblick bleiben die positiven Dinge im Gedächtnis,
dass es damals auch Probleme gegeben hat,
ist vergessen.
Eine sehr glückliche Zeit hatte ich hier. Da bin ich sicher, auch wenn der Schleier der Vergangenheit im Rückblick alles verschönt.


Das Schloss Ort.
Bekannt aus der Fernsehserie.
Um diese Jahreszeit noch touristenlos.
Eine neue Kamera (die gleiche wie meine geliebte alte) habe ich gekauft. Zukünftig sollte es Fotos ohne Flecken geben. Den alten Apparat habe ich einmal ertränkt und seither gabs auf manchen Bildern alle möglichen Schatten.
Ein schöner Tag am schönen See.

Mittwoch, 9. März 2011

ALLTÄGLICHES

Die Frühjahrsmüdigkeit hat mich erfasst, ich schlafe und schlafe, fühle mich müde für alles. Mein Körper ist Gummi. Die scharfen Winde des Nordens sind vorbei, es wird wärmer, Sonnenschein überall, die Nächte beißend kalt. Mein Kurtischnachbar schickt mir Mails, in denen er anfragt, ob er mir Komplimente machen darf. Ist doch süß?! Die Kur habe ich glücklicherweise schon vergessen. Meine To-do-Liste wird kleiner, ich kann jetzt, wenn ich gerade wach bin, Dinge erledigen, die ich Jahre vor mir hergeschoben habe.
Ich träume von längst vergangenen Eso-Lehrern. Interessante, gute Geschichten. Gerade habe ich wieder das Gefühl, dass ich mich verändere. Die Zeit arbeitet an mir. Im Schlaf.

Dienstag, 8. März 2011

MÄNGELEXEMPLAR

Wer kennt das nicht?
Menschgewordene Barbieklone, die mich beim Betreten einer Parfümerie in einer Art mustern, die gefühlsmässig jede Falte im Gesicht zum Krater verkommen lässt.
Die fremde Frisörin hat mich letztlich streng gefragt, was ich für die Haarpflege mache. Nix, meine Haare wachsen seit eh und je, schneller als ich es brauche.
Die Zahnärztin, die ich jetzt verlassen habe, hat immer die Nase ob des Zustandes meiner Beisserchen gerümpft.
Die sonstigen Ärzte, die tun, als wäre es ein persönliches Vergehen, wenn sich irgendeine Krankheit meldet.
Das macht mich wütend. Ich brauche das nicht.
Die Dienstleister sollen ihre Arbeit tun, die sie gelernt haben. Dafür bezahle ich sie. Nicht für einen Mängelrüge, die mir den schadhaften Zustand meines Körpers vorwirft. Der lebt schon eine ganze Weile und dafür ist er ansehnlich und gesund genug. Finde ich.
Warum sagt eigentlich keiner:
Prima, wie schön die Haare sind, wie gut die Falten aussehen, da sind ja noch eine Menge eigener Zähne im Mund und mit dem Körper im Allgemeinen ist auch nicht alles verloren?
Ich möchte endlich einmal gelobt werden.
Auch wenn ich nicht perfekt bin.
Normales Mängelexemplar sucht Anerkennung.

Montag, 7. März 2011

VOM WEGFAHREN

Wenn es bei uns so kalt ist, dann locken Süden und Sonne.
Früher habe ich einen Flug gebucht, ein Auto gemietet und habe mich durch die Gegend treiben lassen. Jetzt bin ich bequem geworden, mag nicht mehr mit dem Vehikel fahren, Zimmer suchen, etc. Ganz verstehe ich es nicht, aber Reisebüroangebote sind gerade verlockender für mich. Da werde ich in einer Herde herumgetragen, kriege alles vorgekaut, muss mich um nichts selber kümmern.
Tja, tief bin ich gesunken, ein Schaf bin ich geworden.
Trotzdem freue ich mich auf die Liparischen Inseln im Mai. Auch wenn ich in einer ganzen Gruppe herumgescheucht werde. Vulkanische Gegenden finde ich aufregend, die Erdkruste ist dünn, die Energie spürt sich unsicher und aufregend an. Ein wenig macht es mir Angst, aber die Lust an der Spannung überwiegt.

Sonntag, 6. März 2011

ABSCHIED? WANN?


Das ist mein Lieblingswintermantel.
Eulen.
Gewalkte Wolle, federleicht und kuschelwarm.
Ich habe ihn vor längerer Zeit bei der Caritas secondhand gekauft.
So gerne würde ich mich für heuer von ihm verabschieden.
Aber die treue Kälte bleibt und bleibt.
Ein Eiswind direkt vom Nordpol zwingt mich in warme Hüllen.
So gibt es keinen Abschied von den Eulen, die ich weiterhin nicht nach Athen trage.

Samstag, 5. März 2011

PRIVILEGIERT

Die Tage
die des Morgens
ausgebreitet
noch gänzlich unbefüllt
vor mir liegen
Stunden
die formbar
ganz nach Belieben
verbracht werden können
diese Tage
lassen ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit und von Privilegiertheit in mir aufkommen.

Freitag, 4. März 2011

VOM BROT

Brot ist etwas Besonderes.
Ich mag es nicht wegwerfen. Sammle die hartgewordenen Stücke für Tiere, oder ich verbrenne sie.
Meine Mutter - unsere Familie war nicht besonders religiös - machte mit dem Messer drei Kreuze auf den Laib, bevor sie ihn anschnitt. Frühe Kindheitserinnerungen habe ich an den weiten Weg vom Bäcker, das noch ofenwarme Brot mit dem betörenden Duft im Arm. Der Versuchung beim Gehen das eine Ende - köstlich, weich und frisch - anzubeißen konnte ich nie widerstehen.
Selbst den Teig zu kneten, in die kompakte, leicht säuerlich riechende Masse hineinzugreifen, hat etwas Lustvolles, Erotisches, erweckt archaische Gefühle, verbindet mit Grundsätzlichem im Leben und fühlt sich so sinnvoll an. Wenn dann die Laibe dampfend und duftend aus dem Backofen kommen, ist die Versuchung unbezwingbar, das verführerische Brot gleich zu kosten. Auch wenn man die Gier hinterher mit Bauchweh bezahlen muss.

Donnerstag, 3. März 2011

WAS REGE ICH MICH AUF?


Mit einem USA-Fan, der begeistert ständig über den großen Teich reist, habe ich gesprochen.
Der meint, alle Überwachungsmassnahmen, alle Sicherheitskontrollen, alle Registrierungen seien berechtigt, im Dienste des allgemeinen Schutzes.
Worüber rege ich mich auf - wenn die Kontrolle so wirkungsvoll ist, die Menschen sich so wohl damit fühlen, dann haben doch ohnedies alle das, was für sie gut ist.
Babyphone fürs dumpfe Volk.
Vater Staat sorgt für uns und meint es gut mit uns. Will nur das Allerbeste. Immer.
Und mir in meiner Einsiedelei kann das völlig egal sein.
Mir wurscht - heißt doch das Lieblingswunderwort.

Mittwoch, 2. März 2011

ZUFRIEDEN

Zufrieden in der Sonne gesessen
Vögel rufen Frühling
die Landesverteidiger Österreichs
zwei Eurofighter
ziehen ihre lärmende Spur am Himmel
Boten aus der Draußenwelt
in unregelmäßigen Abständen
donnert der Teich an die dicke Eisoberfläche
und ruft:
Lasst mich da raus
die lange Zeit des Eingesperrtseins hat ein Ende

Dienstag, 1. März 2011

LÜGENGESCHICHTE

Grundsätzlich bin ich ehrlich.
Meistens.
Ich lüge nicht gerne.
Seit vielen Jahren kaufe ich in einem Geschäft in Wien. Mit der Inhaberin tratsche ich ein wenig. Wie sich das halt so ergibt. Über dies und das und auch über unsere alten rüstigen Väter. Nur dass meiner schon vor 1 1/2 Jahren gestorben ist. Ihrer tourt in der Weltgeschichte herum, überwintert im eigenen Haus mit eigenen Katzen in Griechenland. Stolz berichtet sie von neuer Vaterfreundin und sonstigen vitalen Lebensäußerungen des Vorvorderen. Ich konnte nie erzählen, dass mein Vater verstorben ist. Nein, gerade ihr nicht. Den Triumph wollte ich ihr nicht gönnen. Unser Spiel heißt: angeben mit alten Vätern.
Jetzt kann ich meinen auch nimmer sterben lassen, zu viel Zeit ist schon vergangen, muss ihn lügend am Leben erhalten, neue Geschichten von ihm erzählen.
Womöglich ist ihrer auch schon tot? Die Fantasiewelt der gestorbenen Väter.
Gar nimmer gerne gehe ich in das Geschäft. Mag ihre erste Frage nimmer hören:
Und wie gehts ihrem Vater?

Montag, 28. Februar 2011

AHNINNENTOPF

Vor Jahren habe ich mir auf Anraten meiner Hexenfreundin einen Ahninnentopf gemacht, hab aber nie so recht daran geglaubt und die Wunschzettel blieben ohne Kraft.
Eines Tages hat dann die Katze - die wirklich NIE etwas auf den Boden wirft - den Topf vom Kachelofen gestoßen. Damit hatten wir den Fall erledigt. Das ungeliebte Ding war kaputt und die Wünsche blieben weiterhin unerfüllt.
Meine eigene Magie muss ich selbst erfinden. Die funktioniert - oder auch nicht.

Sonntag, 27. Februar 2011

BEWEGUNG

Noch ist der Frühling weit
doch ich spüre
alte Krusten brechen auf
Dinge, die erstarrt auf Erledigung warteten
kommen in Gang
können in Angriff genommen werden
Kreise schließen sich
mit dem zunehmenden Licht
wächst Hoffnung und Lebendigkeit.
Freude kommt auf.

Samstag, 26. Februar 2011

DEMNÄCHST

Unter Schnee und Eis
sprudelndes Wasser
erzählt
von Sonne, Wärme und Frühling
wenn auch die Kälte
nochmals kräftig zubeißt

Freitag, 25. Februar 2011

WEBCAMS

In meiner Favoritenleiste habe ich etliche Webcams gespeichert. Z.B. Stockholm und Venedig.
Kleine Fernwehausflüge zwischendurch - Augenpausen.
Hindenkmomente.
Immer wieder können mich die Errungenschaften der modernen Technik begeistern - ein Klick und schon bin ich dort. Virtuell.
Vielleicht ist das Beamen nimmer weit?
Zwischendurch ein schneller Kaffee im Florian am Markusplatz?

Donnerstag, 24. Februar 2011

KASPERLTHEATER

Ich bin bekennender Lugner-Fan.
Diese Familie ist so peinlich, dass sie schon wieder gut ist.
Kein Comic kann besser erfunden sein.
Der Mörtel übertrumpft sich ständig selber.
Er lässt kein Fettnäpfchen aus, schockiert die ganze Bussi-Bussi-Gesellschaft.
Jetzt will man ihm sogar seine Loge beim Ball der Bälle wegnehmen, weil er einen neuen Coup gelandet hat - Ruby (Berlusconi!) zum Opernball einzuladen.
Sein Vermarktungswille ist unübertrefflich. Er kandidiert für das Bundespräsidentenamt, singt für den Songcontest. Er füllt Klatschspalten, lässt den Blätterwald rauschen, Damen der "Gesellschaft" haben seinetwegen empörungshalber schlaflose Nächte.
Er gehört zu den bekanntesten Österreichern. Sein Werbewert wird hoch und höher.
Selbst neuere Familienmitglieder werden anscheinend direkt aus einem Karikaturfundus importiert. (z.B. Katzi und der zukünftige Schwiegersohn). Sowas kann es ja in echt gar nicht geben.
Für LeserInnen aus dem Ausland, denen Richard Lugner (Mörtel) nichts sagt - um ihn kann man uns in Österreich wirklich beneiden - ständiges Kaspertheater. Grandioser Selbstdarsteller auf unglaublich peinlichem Niveau. Und für 78 Jahre erstaunlich fit.
Ein Lugner zwingt Alltagsgrau raus und Komischbunt rein.

Mittwoch, 23. Februar 2011

VON DER FREIHEIT

Aus dem Buch: "Angriff auf die Freiheit" - Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte von Ilija Trojanow und Juli Zeh.

Benjamin Franklin: "Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren".

John Stuart Mill: "Alle Irrtümer, die ein Mensch wider besseren Rat und Warnung begehen kann, sind bei weitem nicht so schlimm, wie Verhältnisse, in denen andere ihn zu etwas zwingen können, das sie für gut halten".

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"...Wenn die Politik also behauptet, Sicherheit für die Bürger gewährleisten zu wollen, nährt sie einen gefährlichen Irrtum. ... Wann wären Sie denn sicher? Wenn es keine Terroristen mehr gäbe? Oder keine Krankheiten? Wenn Sie das Haus nicht verließen? Wenn kein Freund Sie verriete, kein Geliebter Sie verletzte? Oder wenn der Tod endlich abgeschafft würde? ....

....Es entspricht der Natur des Menschen, vor unwahrscheinlichen Ereignissen mehr Angst zu haben als vor wahrscheinlichen. Wir fürchten uns am meisten vor Dingen, die uns selten bis nie begegnen und die wir deshalb nicht einschätzen können. Es gibt eine Theorie, die besagt, dass uns die Evolution dieses Missverständnis antrainiert habe. Dem Überleben sei es dienlicher, das Risiko von Situationen falsch zu bewerten. Andernfalls würden wir nämlich in kein Auto mehr steigen und keine Treppe hinuntergehen. Um lebensfähig zu bleiben, ist es wichtig, "kein Gefühl" für Wahrscheinlichkeiten zu haben, jedenfalls kein zutreffendes."

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Von Zeit zu Zeit muss ich mir vor Augen führen, wie gläsern und überwacht unser Leben inzwischen geworden ist. Wir verspielen gerade demokratische Grundrechte, für die jahrhundertelang gekämpft wurde. Der Grat auf dem wir uns bewegen ist sehr schmal und Vorsicht ist besser als das Aufwachen, wenn es zu spät sein wird.

Wenn man einen Frosch in heißes Wasser wirft, springt er heraus. Wenn man das Wasser langsam erwärmt, bleibt er sitzen, bis er tot ist - so steht es in diesem Buch. Sind wir Frösche im Lauwarmen oder doch vorsichtige vernunftbegabte störrische unangepasste Menschinnen?

Dienstag, 22. Februar 2011

SCHMUDDELWETTER UND KINO

Mehr als bescheiden ist das Wetter. Grau und kalt, windig - die beste Zeit für Kino. Nach der Kindernachmittagsvorstellung ist der Boden popcornbedeckt und ein süßlicher Geruch nach Automatenfutter hängst in der Luft. Auf der Leinwand große (Tanz)Leidenschaft, starke Emotionen, beim Blut schließe ich die Augen.
Meine Lebensumstände haben jahrelang eine passiv Ballettbegeisterte aus mir gemacht, große Tänzer/Innen durfte ich sehen. Nurejew, Plissetskaja, Baryschnikow, Margot Fonteyn. Lang ist es her, doch die Liebe zum klassischen Ballett ist mir geblieben.
Der Film ist ganz gut, für einen Schmuddelwetterabend ok.

Montag, 21. Februar 2011

MEINE MUTTER

Unser Verhältnis war schwierig
zwischen Hass und Liebe pendelnd
es gibt Dinge, die werde ich ihr nie verzeihen
sie war eine starke Frau
wenn sie einen Raum betrat
ist sie erschienen
sie kämpfte zeitlebens mit Übergewicht
ich war immer schlank
einem Baum gleich lege ich jetzt jährlich einen Ring dazu
und werde ihr immer ähnlicher
manchmal wenn ich in den Spiegel schaue
blickt sie mich an.....
irgendwie bleibt mir nix erspart.

Sonntag, 20. Februar 2011

UNTER UNS SCHWESTERN

Die Scheinwerferlamperln meines Autos gehen immer wieder kaputt.
Das treibt mich in die örtliche Reparaturwerkstätte.
Dort arbeitet ein junger Mechaniker, schön wie ein französischer Filmschauspieler.
Wohlgefällig ruhen meine alternden Augen auf dem bildhübschen Jüngling.
Ja, auch Frauen im fortgeschrittenen Alter haben Gefühle.
Sie gehen meist gelassener damit um als Männer.
Sonst würde ich versuchen dem Jungmann meine Briefmarkensammlung zu zeigen oder ihm eine Modelkarriere versprechen.
Berlusconi bunga bunga.
Wie kommt so ein schöner Mann aufs Dorf??

Samstag, 19. Februar 2011

DIE ABWESENHEIT VON WEISHEIT

Manche Posts, die ich schreibe, entbehren jeder Weisheit.
Sie sind emotional, ichbezogen, ungerecht.
Und oft bin ich unernst.
Augenzwinkernd übertreibe ich in jede Richtung.
Ich finde es schön, dass ich hier sein kann, wie ich bin. Unverstellt. Mich nicht bemühen muss. Mich nicht anstrengen muss, weiser und abgeklärter zu sein, als es Spaß macht.
Danke an alle LeserInnen.

Freitag, 18. Februar 2011

DAHEIM

Daheim ist da, wo alles, was herumkugelt, von mir ist.
Daheim ist da, wo die Zimmertanne aufs Gießen wartet.
Daheim ist da, wo Ausblicke vertraut sind.
Daheim ist da, wo Grenzen zwischen mir und dem Drumherum verschwimmen können.
Daheim ist da, wo sich mein Ich bis zum Waldrand ausdehnen kann.
ICH, ICH, ICH
MEIN, MEIN, MEIN -
GUT!

Donnerstag, 17. Februar 2011

VOM STERBEN

Aus
Das geheime Buch der Frida Kahlo
Francisco Haghenbeck
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Frida Kahlo verunglückt, trifft im Totenreich die Gevatterin, bittet sie ums Weiterleben. Diese antwortet:
" Es ist möglich, dass ein Bild deinen Platz einnimmt, aber ich warne dich, mit den Jahren wirst du mir immer näher rücken, und das Leben, nach dem du dich so sehnst, werde ich dir Stück für Stück entreißen. Es gibt nun mal Dinge, gegen die der Mensch nichts ausrichten kann, aber ich werde dir die Gnade, um die du mich bittest erweisen, allein, weil ich dir dieses schöne Fest verdanke. Bevor wir uns verabschieden, werde ich dir als deine Gevatterin einen Gedanken schenken: Frida, fürchte dich vor dem, was du willst ... solche Wünsche gehen manchmal in Erfüllung....
... Aber ich warne dich: Du wirst dir immer wünschen, du wärest heute gestorben. Ich werde dafür sorgen, dass du dich jeden Tag deines Lebens daran erinnerst."
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Mein bester Freund hat seit Monaten einen Herzschrittmacher nachdem er einen Herzstillstand hatte. Sein körperliches Leben seither ist ein einziger Leidensweg.
Mit diesem Wissen und diesen Erfahrungen möchte ich die erste Chance ergreifen können, wenn sich der Durchgang zwischen den Welten für mich öffnet. Bereit zu sein und ohne zu zögern, ohne zu zaudern die Ebenen wechseln. Das wünsche ich mir als Geschenk vom Leben.

Mittwoch, 16. Februar 2011

DIE LETZTEN SPLITTER AUS DER ANSTALT

Eine tote Fledermaus habe ich gefunden.
Sie ist auch nachdem ich sie in die Sonne transportiert habe,
nimmer aufgewacht.
Der weiße Damhirsch hat sich ins Gegenlicht gestellt.
Hübsch ist er trotzdem.

Den Spruch "mir wurscht" nehme ich mit. Damit kommentierte der Tiroler Schneepflugfahrer alle Probleme der Welt. Zeigt von tiefer Resignation den Widrigkeiten des Schicksals gegenüber. Die Machtlosigkeit des kleinen Mannes. Gefällt mir gut.
Eignet sich hervorragend für Gespräche. Einer erzählt etwas, der andere sagt als Antwort: mir wurscht. So geht das reihum. Überaus anregend und kommunikationsbelebend. Fehlen wird mir auch seine herzliche Begrüßung des
Morgens: "Hier kommt meine einzige Inge!" Quer durch den Speisesaal.

Der Hausmeister, mein zweiter Tischmann, war von früh bis spät unterwegs um den neuesten Haustratsch zusammenzutragen. Alle Namen, alle Geschichten waren sein Revier. Somit war ich mit am Puls der Anstalt.
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Die Abwesenheit von Unglück ist auch Glück.
Ich bin wieder daheim. Danke sagen meine Gelenke.

Dienstag, 15. Februar 2011

VOM PINKELN

Frau spricht darüber nicht.
Die englische Queen macht es gar nicht.
Trotzdem möchte ich einmal darüber reden:
es gibt Situationen, da wäre ich lieber ein Mann.
Und zwar wenn es ums Pinkeln geht.
Dieser Tage war ich bei Schnee und Eis auf den Straßen unterwegs, schwere LKW`s blieben auf einer Steigung hängen, nichts ging mehr, Polizei und im Auto warten, bis der arme spanische Lenker die Ketten an den Reifen befestigt hatte.
Und ich saß da, auf Nadeln sozusagen, weil sich der Morgenkaffee inzwischen seinen Weg durchs System gebahnt hatte.
Wenn ich Mann wäre, stünde ich am Straßenrand vor staunendem Publikum und könnte die Situation auf Männerart lösen.
Im Winter ist alles doppelt kompliziert, Schneewächten rechts und links verwehren jedes Ausweichen ins Gebüsch.
Schreckliche Notsituationen sind mir im Gedächtnis geblieben. Einmal bin ich im Auto stundenlang die Westküste der USA hochgefahren. Zuerst war ich zu bequem um anzuhalten und dann in San Francisco ging es nicht mehr. Ich weiß nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist, aber auf ewig im Hirn eingebrannt ist eine Verbindung Sausalito - höchste Blasenalarmstufe.
Tja, so ist das mit Benachteiligungen.
Ich fordere Pinkelfreiheit für alle.

Montag, 14. Februar 2011

ERFOLGREICH

Dem Leben einen Schritt voraus
agieren
so gehen Schicksalsschläge manchmal ins Leere
nicht reagierend
mausängstlich
im Loch verharren
Trauerzugsmusikkapelle

Sonntag, 13. Februar 2011

OHNE TITEL

Zäh dehnen sich Stunden und Tage
in der Gleichförmigkeit des Ereignislosen
Überraschendes ist außerhalb
eine Hülle von Durchschnitt und Langeweile hält mich gefangen
das Wunderbare
das sonst meine Zeit durchschneidet
ist spurlos verschwunden

Samstag, 12. Februar 2011

BÜCHER

Im Ort gibt es ein Buchgeschäft. Sensationell. Ich weiß nicht, ob es dort immer so aussieht, aber bei meinem Besuch war ein mittleres Chaos, leere Kartons, volle Kartons, Bücherberge am Boden gestapelt und jede Menge Leute, die etwas kauften. Tolle Bücher waren zu finden, einfach das Obenaufliegende gegriffen. Ich habe zwar viel zum Lesen mit, kann mich aber nicht darauf konzentrieren, brauche mehr etwas in Richtung Urlaubslektüre. Zwischen all den Haufen lag auf leeren Kartons ein großer roter Kater, seelenruhig schlafend, an der belebtesten Stelle des Geschäftes. Auf meine Anfrage, ob er hier wohne, erhielt ich die Auskunft: "Nein, er kommt auf Besuch, wenn es ihn freut".
Fotoapparat hatte ich - wie immer, wenn es nette Motive gibt - keinen dabei, aber das Geschäft ist ein Bücherlustort - das weiß sogar der Kater.

Freitag, 11. Februar 2011

BOTSCHAFTEN

Verschiedene Gesprächsfetzen
in der Sonne sitzend
an meinem Ohr vorbei
schlecht wird mir von den Un- und Halbwahrheiten
besonders große Menschen
sagen zu Kindern keine Wahrheit
verpacken ihren Tadel, ihre Kritik, ihre Ängste
in andere Sätze
Botschaften, die zwar ankommen
aber nicht verstanden werden können
meine Übelkeit über all die Ungradlinigkeit im Umgang miteinander
macht Magenkrämpfe