Sonntag, 11. Juli 2021

MEINE WILDNIS


Rewilding:
ich kann solche Neuwörter nicht leiden.
 Wildnis ist eine Form der Natur etwas zurückzugeben.
Vor über 40 Jahren war das eine Futterwiese, mit einzelnen, wenigen Obstbäumen.



Meine Betrachtungen sind völlig unwissenschaftlich und subjektiv.
Eine Wiese, die einmal jährlich gemäht wird,
hat Platz für viele verschiedene Arten.
Wenn Jahrzehnte nicht eingegriffen wird,
setzen sich stärkere Pflanzen durch und verdrängen manches.
Stellenweise ist der Boden versteppt.
Jetzt wachsen oft Walderdbeeren.
So viele heuer, dass ich daran denke,
sie nicht nur in den Mund zu pflücken,
sondern zu sammeln.
Sind ja ungleich köstlicher, wenn frau sie mit Zucker isst.
Dann kommt der typische Geruch zum Tragen.



Es siedeln sich neue Bäume an,
Gebüsch entsteht.




Wilde Himbeeren.
Artenvielfalt?
Ich kann es nicht sagen.
Mehr Schmetterlinge gibt es vielleicht auf Wiesen mit vielen Blumen.
In dem Totholz finden alle möglichen Insekten ihren Lebensraum.
Vögel?
Kann ich auch nicht sagen.
Ich kümmere mich um das Stück Land nicht.
Gehe vielleicht 2 x im Jahr durch.
Ab und an wird ein Baum herausgeschnitten.
Der abstirbt oder den ich für den Kachelofen haben möchte.
Ich mache mir keine Gedanken über die paar Quadratmeter.
Ich weiß nur, ich mag alles so wie es ist
und so ist es gut.









 

Freitag, 9. Juli 2021

WER STIRBT, VERSAGT



In den Bereich der Selbstoptimierung gehört auch,
dass man nimmer sterben darf.
Wer stirbt, hat versagt.
Hat irgendetwas falsch gemacht.
Ungesund gelebt und zu wenig Sport getrieben,
zu viel Alkohol und ausschweifenden Sex gehabt,
fettes Fast Food in sich hineingestopft
oder was weiß ich.
Fest steht:
Wer stirbt, ist selber Schuld.
Wird ein erfülltes Leben nach Jahren oder nach Intensität berechnet?
Kann das Ewige Leben geimpft werden?

Zufällig:
der Supermarktwein stammt aus Mezzacorona.
Einer Gemeinde im Trentino.
Wenn der nicht zur Unsterblichkeit verhilft?!
Was dann?


Mittwoch, 7. Juli 2021

WAS ES NIMMER GIBT



 Herumjammern möchte ich nicht.
Aber ich werde aufschreiben,
was hier bei mir ums Haus nimmer lebt.
Diese Tiere sind in den letzten Jahren verschwunden.
Smaragdeidechsen (wahrscheinlich Trockenheit und fehlendes Nahrungsangebot).
Erdkröten. Detto. Ich habe einige Exemplare vertrocknet auf der Straße gefunden. Konnten am Asphalt nimmer weiter.
Frösche.
Ganz nahe ist ein kleiner Tümpel.
Dort habe ich früher für das winzige Wasserbecken im Innenhof  Kaulquappen geholt
und ihnen beim Wachsen zugesehen. Später waren dann  kleine Frösche im Gras.
Einmal bin ich mit dem Moped gefahren und der Kübel ist mit den Quappen auf die 
Straße gefallen. Massenmord.
Es gibt ganz wenige Schlangen.
Blindschleichen leben in meinem Kompost.
Heuer sehe ich keine Nachtfalter.
Früher war mein Neffe im Sommer eine Woche bei mir.
Er ist einmal bei brennendem Licht und offenem Fenster eingeschlafen.
In der Nacht war sein Zimmer voller Falter.
Er hat sich nicht getraut mich zu wecken
und konnte mit angstgeweiteten Augen nimmer weiter schlafen.
Was ich in der Früh gesehen habe, war schlimm.
Hunderte Nachtfalter in allen Größen.
Fledermäuse sind verschwunden.
Konnte man früher im Dunkeln flattern sehen.
Überhaupt sind kaum Insekten unterwegs.
Das macht sich bei den Vögeln bemerkbar.
Sehr, sehr wenige Schwalben.
Dass Birkhühner ausgestorben sind,
kann ich mit dem fehlenden Unterwuchs im bewirtschafteten Wald erklären.
Das markante Rufen im Frühjahr, war weit zu hören.
Hören: kein Kuckuck in diesem Jahr.
Dafür Tauben! Wer braucht die hier.
Hier bei mir wird kaum Gift auf Wiesen und Feldern ausgebracht.
Aber die Art der Landwirtschaft hat sich verändert.
EU.
Kaum kleine Bauern. Große Ställe mit moderner Technologie.
Die Wiesen werden öfter gemäht.
In modernen Ställen ist kein Platz für Schwalben.
Die Tierunterkünfte sind so sauber, dass es keine Fliegen  gibt.
Welche Vögel fehlen, kann ich nicht sagen.
So genau kenne ich sie nicht.
Aber heuer nach dem kalten Frühjahr werden die Bruterfolge gering sein.
Die Storchennester im Waldviertel kann ich fast an einer Hand abzählen.
Was reichlich vorhanden ist:
Ameisen, Mäuse, Wühlmäuse.
Bei mir Marder.
Und Biber sind überall.
Die sind neu.
Ich sehe sie zwar nicht, aber ihre Spuren.
Sogar einen Damm gefunden.
Insgesamt  macht  es traurig.
Wenn eine einstmals bunte Welt zu einem leeren Raum verkommt.
Tiere gehen leise, ohne Aufschrei.
Irgendwann fällt dir die Lücke auf.
Natur gibt uns  Identität.
Zeigt unseren Platz in der Welt.
Nährt.
Hält uns am Leben.



Ein Bild der Blindschleichenzucht im Kompostbehälter.
Es waren viel mehr Exemplare
aber bis ich mit der Kamera gekommen bin,
waren sie fast verschwunden.
Ich glaube, sie haben ein ziemlich gutes Leben im Abfall.


Montag, 5. Juli 2021

ALLTÄGLICHKEITEN


 Was es jetzt schon alles gibt:
Glühwürmchenfundortmeldedaten.
Ich hab natürlich mitgemacht und des Abends eifrig gezählt.
Es wird dann eine Glühwürmchen-Blinkkarte geben.

Seit ewig war wieder ich beim Zahnarzt (neu) und er hat nix gefunden.
Meine Beißerchen haben im Alter beschlossen, ausdauernd zu werden.
Den Zahnarzt finde ich mittelnett.
Also, ich hoffe, dass ich ihn nicht brauchen werde.
Wieder Wechseln ist wegen der frisch gemachten Röntgenbilder blöd.
Eigentlich habe ich den Termin ausgemacht,
damit ich einen Ansprechpartner für Notfälle weiß.
Naja.

Erstmals wieder im Kino.
"Nomadland"
Hochgelobt. Preisüberhäuft.
Der Film hat mich nicht mitgenommen.
Einzelne Szenen schon.
Aber insgesamt für mich zu triste, zu amerikanisch.
Die Dialoge sind zeitweise wie aus einer Selbsthilfegruppe.

Ausgehen wie früher.
Angenehm.
Lust auf mehr.

Kalenderspruch:
Immanuel Kant
"Der größte Sinnesgenuss, der gar keine Beimischung von Ekel bei sich führt,
ist, im gesunden Zustande, Ruhe nach der Arbeit".
Der Mann kann nicht viel Spaß im Leben gehabt haben.




Samstag, 3. Juli 2021

KLEINER HASE


Neben der Straße.
Völlig unerschrocken.
Der kleine Hase.
Aus dem Auto heraus fotografiert.
Wenn er nicht vorsichtiger wird,
wird er kein langes Leben haben.
Aber vielleicht ein kurzes, glückliches.





 

Donnerstag, 1. Juli 2021

FLUCHTINSTINKT


 Wenn der böse Wolf  kommt,
flüchten Rehe.
Sie sind  immer auf der Hut.
Frauen auch.
Checken ab, ob keine Gefahr droht.
Wahrscheinlich liegt das in den Genen.
Jahrtausendealte Erfahrung weiblicher Vorfahrinnen.
Ich bin viel im Wald unterwegs.
Wenn mir ein Mann (selten bis nie) begegnet,
versuche ich die Situation einzuschätzen.
Jeden Mann als potentiellen Täter zu betrachten,
finde ich absurd.
Ich bin nicht ängstlich.
War allein in Südafrika unterwegs.
Quer durchs Land.
Aber hier beim kleinen Waldteich,
der  nur zu Fuß zu erreichen ist,
passiert es mir immer wieder,
dass ich mich unwohl fühle.
Letztens (es war noch nicht sehr warm) war nur ein eher
durchgeknallter nackter alter Mann dort.
Was dann so endete,
dass ich mich nicht entkleiden wollte und nicht ins Wasser ging.
Da kann ich mir dann einreden,
dass keine Gefahr droht,
aber ich bin verunsichert, verliere die Lust 
und gehe wieder.
Nochmals: das Wetter war auch sehr kühl.
Und ich hatte wirklich viel Gwand an.
Also alles umständlich.
Dabei könnte ich als nackte alte Frau andere Leute erschrecken.




Dienstag, 29. Juni 2021

LEICHTE VERZWEIFLUNG




 Gärtnern ist gar nicht meines.
Aber in diesem Jahr ist zu meinem normalen Desinteresse noch Schlechtwetter dazugekommen.
D.h. die paar Pflanzen, die ich gesetzt habe,
sind erfroren. Also keine Ernte.
Was ja nicht schlimm ist, solange es Supermärkte gibt.
An einer Stelle im Innenhof habe ich vor 2 oder 3 Jahren die Kirsche gesetzt,
die von Mäusen komplett gefressen wurde.
Heuer habe ich aus der selben Gärtnerei (wir haben anscheinend keine Glücksbeziehung)
eine Harlekinweide gepflanzt.
Eine Weide ist fast Unkraut. Mit ihr kann man nicht falsch liegen.
Und sogar die schwächelt bei mir.
Es ist als ob die engere Natur ums Haus meinen Gestaltungsversuchen einen Boykott entgegengesetzt hätte.
Aber ich habe bereits die ersten winzig kleinen Eierschwammerln gesehen.
Wer braucht da Selbstgepflanztes?

Die Bücherräumaktion lässt mich alte Exemplare aus den 80er Jahren wieder lesen.
Z.B. über Umwelt.
Damals gab es die große grüne Welle.
Und wenn ich jetzt bilanziere, wie die Welt heute aussieht,
was es alles nimmer gibt,
dann kommen mir Tränen.
Menschen ändern sich nicht.
Ich nehme mich von der Schuld nicht aus.

Das muss ich auch noch sagen:
die Natur ist kein Funpark.
Es muss nicht mit Mountainbikes die Berge runtergerast werden.
Auch wenn es vielleicht lustig ist.
Es sind zu viele Menschen für zu wenig Natur unterwegs.


Sonntag, 27. Juni 2021

DAS SCHÖNE, GUTE UND WAHRE


In diesem Glitzerbach sind kleine Forellen.
Das ist selten hier bei uns.
Die meisten sind vor Jahren verschwunden.
Ich habe auch eine tiefe Stelle entdeckt.
Wenn es mal ganz heiß ist,
kann man hier in Eiswasser eintauchen.
----
Ich bin richtig glücklich.
Mein Computer funktioniert wieder tadellos.
Er hat die ganzen Updates nimmer allein hinbekommen
und sich daran aufgehängt.
Der Computermann, der mir das in Ordnung gebracht hat,
ist sowas von nett.
Manchmal denke ich, es gibt Menschen,
die sind einfach zu nett und gut für diese Welt.
Ich  bin immer  überrascht.
Und denke dann, soviel Freundlichkeit verdiene ich gar nicht.
Denn ich bin nicht so.
Oder nur in Ausnahmefällen.





 

Freitag, 25. Juni 2021

LOST PLACE


Vor einigen Jahren gab es schon Fotos des Hauses im Blog.
Inzwischen verfällt es weiter
und der romantische Anblick verändert sich langsam und sicher zu einem Schutthaufen.
Ein verlorener Platz.
Raum für Träume und Fragen ohne Antwort.







 

Mittwoch, 23. Juni 2021

SELBSTOPTIMIERUNG


Kaffeehaussitzen.
Fast wie früher.
Ich lese aus Bücherkisten Mitgenommenes.
Ariadne von Schirach. "Du sollst nicht funktionieren."
Ich falle ab und an in die Falle,
dass ich glaube, wenn ich nur dies oder das mache,
dann kann ich Probleme (meist  körperliche) lösen.
Dann werde ich gesünder, selbstoptimierter, eine bessere Menschin, glücklicher.

"So wird Gesundheit zum Gesundheitsdruck, begleitet von Genussverzicht und einer seltsamen Dumpfheit, die in scharfem Kontrast zu der gleichzeitig geforderten Vitalität und Jugendlichkeit steht. Der erfolgreiche Mensch des 21. Jahrhunderts ist derjenige, der es schon bei Lebzeiten geschafft hat, sich im physischen Alter von 16 bis 21 einzubalsamieren".
Zitat aus dem Buch

Unser Gott ist unser Körper, dem alles Leben zu Füßen gelegt wird.
Ungesunde Genüsse sind verboten. Zum Teil regelt das bereits Vater Staat für uns.
In welch rigide Welt sind wir verkommen?
Sprache wird von Böswörtern bereinigt. 
Denkmäler stürzen, weil das Leben des einst Geehrten doch nicht so makellos war.
Es darf nur mehr in eine erlaubte Richtung gehandelt, gedacht und gelebt werden.




 

Montag, 21. Juni 2021

TAGE




Die Tage sind bezaubernd schön.
Ich versuche täglich in einen Teich zu springen.
Mein Favorit heuer ist das Moor.
Vor den Menschen.

Sonnenwende.
Ich kann mir nicht vorstellen,
nochmals in die ewiglange Kälte und Dunkelheit einzutauchen.
Auf die wir uns ab jetzt hinbewegen.
Aber noch gibt es warme lange helle Tage.
Ich muss Heizöl bestellen.
Das Kachelofenholz bringt der Nachbar demnächst.
Damit es wenigstens Kunstwärme geben wird.

Die Fernsehkrimis von Donna Leon, die in Venedig spielen, mag ich sehr.
Habe alle sicher schon mehrmals gesehen.
Letztlich waren Bilder aus einem Schlachthof dabei.
Ich schaue weg, weil ich das Tierleid nicht ertrage.
Wenn auf der Straße ein Tiertransporter vor mir fährt,
muss ich so schnell, wie möglich überholen.
Aus den Augen, aus dem Sinn.
Gusto auf Wurst plagt mich ab und an.
Dann vergegenwärtige ich mir diese Schreckensbilder.




 

Freitag, 18. Juni 2021

DER GRIFF INS KLO


 Nein. Die Überschrift stimmt gar nicht.
Im Caritas-Laden gab es ganz günstig eine Geschenkpackung 
mit dem Parfum meiner Mutter.
Nina Ricci. L'Air du Temps.
Kreiert 1948! Ein Klassiker!
In einem Anflug von Nostalgie habe ich es gekauft.
Ich bin eine Riecherin.
Trage fast immer Parfum.
Oft sogar zum Schlafengehen.
Habe auch richtig viele.
Mein Favorit gerade:
Mugler. Alien.
Jetzt zum Mutterparfum.
Ich habe keine Erinnerung.
Gerüche und Erinnerungen sind eng miteinander verknüpft.
Nichts anderes wirkt so unmittelbar auf unsere Gefühle.
Und dieser Geruch weckt keinerlei Vergangenheit in mir.
Schade.
Für mich ist er eigentlich zu süß.
Trotzdem freue ich mich über  den Spontankauf.





Mittwoch, 16. Juni 2021

STICHWORTE, ZUSAMMENHANGSLOS


 Wer mit dem Strom schwimmt, erreicht die Quelle nie.

Angriff der Flugameisen.
2 verschiedene Arten.
Große in schwarz, und kleine in braun.
Sockelleiste in der Küche runtergerissen.
Dahinter ist nix, außer Staub.
Steige über Backpulverstraßen und den bereitgestellten Staubsauger.
Tiere erscheinen nur stundenweise am Nachmittag.

War testen.
Und in Lokalen.
Ein Wirtshaus gemerkt, wo nix kontrolliert wird.
Für ungetestete Gasthauslust.

Eigentlich wollte ich ins Kino.
Dann doch nicht.
Und dann waren die freigetesteten 48 Stunden auch schon wieder abgelaufen.
Spontan geht mit der Testerei nix.
Und Planen ist meine Sache nicht.

Jetzt habe ich 2 Handys.
Die ich nie verwende.
Draufgekommen, dass ich mit den Wertkartenhandys keine Fotos verschicken kann.
Also, kann ich auch keine Selbsttests machen.
Dafür habe ich langsam ein Lager an Gratisselbsttests aus der Apotheke.
Ich bleibe weiterhin im Wald.

Und den Computer unter Tränen zum Schrauber gebracht.
Immer ein Abschied.
Denn die Hälfte der Dateien finde ich nie mehr.
Leben ist Veränderung.

Nochmals Barfußschuhe gekauft.
Diesmal teuer.
Im Geschäft.
Schau ma mal, ob sich das auf die Gelenke auswirkt.

Im Buchtempel gelesen.
Alter .....
Frau sollte keine Energie darauf verschwenden,
etwas am Istzustand  verändern zu wollen.
Bindet nur Lebensenergie.
Damit kann ich gut leben.

Alles ist gut.





Montag, 14. Juni 2021

GEGEN WELTSCHMERZ, DEPRESSION UND SONSTIGE MENTALE SCHWÄCHEN





Jetzt weiß ich, was bei Psychozuständen verlässlich hilft.
Man muss etwas noch viel Schrecklicheres tun,
ausgehend von der gegenwärtigen Jammerlage.
Seit ich aus der Anstalt entlassen bin,
geht es mir erstaunlich gut.
Nicht körperlich,
aber seelisch.
Ich kann mein bescheidenes Inselleben genießen.
Gleite ohne Vorschriften und Termine durch die Tage.
Träume,
schaue dem Specht am Apfelbaum zu. 
In der Logotherapie von Viktor Frankl werden Zustände verstärkt.
Das nächste Mal, wenn es mir schlecht geht,
werde ich nicht überlegen:
"Wie komme ich da raus?"
sondern
"Was kann ich tun, damit es mir noch viel schlechter geht?"
-----
Gerade finde ich tote Tiere, 
sehe Fischern beim Karpfentöten zu,
Bäume sterben ab.
Ich glaube, das Reh war im Winter an der Fütterung vorm Fenster bereits schwach.
Spuren lesen ist nicht meines.
Reifen sind im hohen Gras eingedrückt.
Trotzdem denke ich, dass es ein Riss war.
Der Luchs?
Wo kommen so schnell die ekligen Aaskäfer her?



Samstag, 12. Juni 2021

ANDERS


 Das Wetter ist anders.
Das Licht ist verschieden.
Meine Lieblingsplätze sehen verändert aus.
Es ist,
als müsste sich die Welt zurechtruckeln,
wieder in eine beruhigtere Bahn finden.
Ums Haus ist alles in Ordnung,
aber wenn ich unterwegs bin,
suche ich nach vertrauten Gefühlen
und finde Wandel.
Ich sehe gehäuft tote Tiere.
Seltsam.



Donnerstag, 10. Juni 2021

UMS HAUS


 Die kleine Filzsonne aus Frankreich lacht auf meiner Eingangstür.
Der Marder zieht seine Jungen in einem anderen Teil des Dachbodens groß.
Der Gestank in der Werkstätte ist überwältigend.
Der Wildkatzenbeauftragte von Niederösterreich hat mir erzählt,
dass auf der Wildkamera in der Nähe schöne Luchssichtungen waren.
Leider habe ich ihn nicht getroffen,
weil ich musste ja wichtig meine Zeit in der Anstalt verbringen.
Die vielen Meisenknödel, die im Winter nicht gefressen wurden,
habe ich neuerdings aufgehängt
und ein Specht holt sie.
D.h. er zerkleinert das Mehrere und es fällt auf den Boden.
Jedenfalls kommt er unaufhörlich und gibt dabei eine Menge Töne von sich.
Er soll seinen Spaß haben.
Den Roller habe ich noch nicht ausgepackt.
Ich bin zuversichtlich.
Die Angst weicht einer Lebensfreude.
Schau ma mal.
Alles ist gut.
Und wenn ich nicht endlich meinen Computer zum Schrauber bringe,
geht bald gar nix mehr.
Dann bin ich wirklich weg.





Dienstag, 8. Juni 2021

NIE MEHR NIMMER




 Hmmmm.
Wie sage ich das jetzt, dass ich verstanden werde?
Der Körper altert.
Der Geist kann es nicht  begreifen.
Weil der bleibt jung/jünger.
Jedes Mal wenn ein Gedanke an etwas auftaucht,






das ein ganzes Leben möglich war, Freude gemacht hat
und das jetzt vorbei ist,
gibt es einen Schmerz.
Ich möchte die Endlichkeit meines Körpers begreifen können.
Denn das geht nicht.
Es geschieht über unendlich viele Abschiede.
Und nie bin ich sicher
ob ich zu schnell oder zu langsam im Aufgeben bin.
Ob ich mir Dinge nimmer zutraue
oder ob sie wirklich nimmer möglich sind.
So oder so -
das Endergebnis ist immer das gleiche.

Sonntag, 6. Juni 2021

HEILWASSER




Das heilkräftige Wasser habe ich bereits früher im Vorbeifahren mitgenommen.
Während der Kur holte ich immer wieder eine Flasche Trinkwasser fürs Zimmer
und betrieb gleich die persönliche Feldstudie.
Menschen kommen von weit her und laden den Kofferraum des Autos mit Kanistern und diversen Behältern voll.
Jeden Angetroffenen fragte ich, was er mit dem Nass mache
und wieviel er davon pro Tag trinke.
Natürlich erhielt ich nur begeisterte Antworten.
Von ewiger Gesundheit und wohlschmeckendem Kaffee.
Die Quelle ist radioaktiv und im Kurhaus darf man in dem Wasser nur baden.
Volksglaube und Volksmedizin unterscheidet sich oft grundlegend
von Schulmedizin.
Wobei  Kuranstalten in Österreich ihre Anwendungen hauptsächlich auf Naturmedizin aufbauen.



Freitag, 4. Juni 2021

TERMINE


 Die freie Zeit in der Anstalt habe ich auch benützt,
um Arzttermine zu vereinbaren.
Die Wartezeiten darauf sind teilweise absonderlich.
Aber jetzt habe ich einen Augen-, Haut- und Zahnarzttermin.
Ich weiß nicht, was in den letzten Jahren passiert ist,
kann mich nicht daran erinnern, dass es früher auch so war,
aber der Augenarzttermin ist im November,
Hautarzt (privat) im August
und Zahnarzt (neu) das war mit Juni eher schnell.
Die Zeitung hat mir mitgeteilt,
dass man in England bis zu 3 Jahre auf einen Zahnarztbesuch warten kann.
Wie soll das denn gehen?
Nur mehr Ruinen im Mund?
Da bei mir nix dringend ist, bin ich vorerst einmal zufrieden.
Ja. Die Langeweile bringt Aktionismus hervor.


Mittwoch, 2. Juni 2021

IN DER ANSTALT




 Aus Gründen hat mich das vergangene Jahr  viel Kraft und Fitness gekostet.
Die Vernunft hat gesagt, die verordnete Kur wäre moglicherweise
eine helfenden Option.
Tja. Und jetzt bade ich, lasse das verwelkte Fleisch kneten,
staune welche Muskeln ein Körper wo hat
und habe den besten Willen das Optimum an  gebotenen 
Möglichkeiten herauszuholen.
Die Kurärztin musste über die Körperdialoge, die ich führe lachen
und meine Erklärungen, dass ich in der Restlebenszeit gerne
vernünftig gehen können möchte,
hat sie zu erweiterten Therapien greifen lassen.
Schau ma mal.
Das Nervigste ist das ständige Umkleiden.
X-mal am Tag.
Immer mit Maske, Therapietuch durch die Gänge eilen.
Ja. Ohnedies alles toll und Luxus.
Ich bin halt nicht wirklich dafür konzipiert.
Das Essen ist Gaumen- und Augenweide.
Nachdem ich  ein Jahr nur Selbstgekochtes gekriegt habe,
wird mein Anspruch auf Restaurantküche in 3 Wochen übererfüllt.
Es gibt Fleisch, Fisch und Vegetarisches.
Das Fleischlose schmeckt mir nicht,
so esse ich täglich 2 x Fisch,
was sich bereits in  Körpergerüchen bemerkbar macht.
Das Haus hat ein großes professionelles Fitnesscenter, Schwimmbad und einen
riesigen Saunabereich.
Beautyabteilungen.
Also, ich könnte die Zeit genießen,
aber weil das alles nicht meines ist,
bin ich nur unglücklich.
Tja. 
Wenn ich geheilt heimkehre, dann hat sich das Ausharren gerechnet.
Corona: Seit Österreich geöffnet ist,
hat sich das Hotel gefüllt.
Zeitweise richtig viele Menschen.
Von meinem Zimmer aus sehe ich in den Saunabereich.
Nackte, ohne Abstand und Maske.
Die verschiedenen Virenverhütungs-Bestimmungen purzeln hier wild durcheinander.
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Mit der Veröffentlichung des Posts habe ich gewartet,
bis ich wieder daheim war.
3 Wochen schlechte Laune,
das muss mir jemand nachmachen!
Und jetzt schon habe ich jede Erinnerung an die Zeit verloren.
Außer dass es nur kalt und schlechtwettrig war.
Mieselsüchtig halten sich auch die Heilerfolge in Grenzen.