Dienstag, 3. Dezember 2013

VOM ANDERSSEIN


Meine Mutter und ich
wir hatten ja nicht so die berauschende Beziehung.
Wir waren ziemlich konträr
und doch sehr  voneinander angezogen.
Ich würde sie als verhaltensoriginell bezeichnen.
Als Kind wollte sie mir ihre unerfüllten Wünsche ermöglichen -
was sich in kurzfristigem Ballettunterricht und Klavierspielansätzen niederschlug.
Wo das Fiasko schon im Ansatz enthalten war.
Im Ballett war ich älter, größer, schwerfälliger als die kleinen zarten Elfen
und zur Elternvorführung trug ich dann einen rotgepunkteten Badeanzug zwischen all den Schwarztrikotgrazien - weil es sich nicht lohnte, mir auch so ein schickes Trikot zu kaufen.
Die Sache war natürlich urpeinlich.
Meine Schulzeit war ein ziemlicher Albtraum -
ich konnte nie so sein,
wie andere mich wollten.
Was ich mit all den Aktionen gut lernte,
war das Anderssein auszuhalten.
 Ich kann das heute auch noch,
dass ich mich in Situationen hineinmanövriere,
wo ich plötzlich in einem rotgepunkteten Badeanzug dastehe,
auffalle, anders bin, gar nicht der Norm entspreche,
aber dank der Erziehungsschule durch die ich gegangen bin,
kann ich das gut haben,
kann ich es oft genießen,
kann ich meist darüber lachen.
Dafür bin ich meiner Mutter dankbar,
dass sie uns unwillentlich beigebracht hat zu leben, wie wir wollen,
unseren Ideen und Intentionen zu folgen.
Das ist ein großes Geschenk.
Wenn der Lernprozess auch nicht sehr angenehm war.


Kommentare:

  1. Wie schön, dein Rückblick, wie schön, dein Bild dazu!
    Ein bisschen beneide ich dich um den rotgepunkteten Badeanzug. Meiner war immer unauffällig und angepasst. Das etwas Anderssein fand höchstens in Gedanken statt...
    Tja, die Mütter: Sie sind schon sehr prägend, so oder so.

    Liebe Grüsse in deinen Tag,
    Brigitte

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    1. ich kann dir versichern - als kind findest du den rotgepunkteten badeanzug nur beschränkt witzig.
      liebe grüße aus der sonne

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  2. Versöhnlich und sehr positiv deine Rückschau....
    Ich dachte, dass du mit deinem gepunkteten Badkleid die Hauptrolle balletiert hast.
    Selber war ich eher ein stilles Wasser in meiner Kindheit, was aber nicht heißt, dass ich mich meiner Mutter und den beiden Schwestern nicht widersetzt habe....
    Wünsche dir einen sonnigen Tag
    herzlichst Brigitte

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    1. meine kindheit war mühsam - ich war mühsam. bin immer unangenehm aufgefallen, auch wenn ich die besten vorsätze hatte. tja, lange vorbei und heute kann ich sehen, was es mir an positivem gebracht hat.
      die sonne ist da.
      liebgrüße

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  3. Wenn man sich sein Leben ranzoomt kommt einem das gleiche Bilde viel detailiertert vor. Du hast
    wirklich eine schöne Gabe das zu tun.
    Liebe Grüße in Deinen Winter
    Marianne

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  4. Fast mit Tränchen der Rührung habe ich von deinen Kindertagen gelesen, so klar erscheinen sie.
    Und sofort ist man selbst Kind..........das war eine verständnislose Zeit damals. Daher habe ich heute als Andersmachende für Kinder alles Verständnis der Welt und Geduld. Mit Kindern und mit Alten, mit sonst niemandem.
    Ingrid, ich finde deinen Rückblick so wunderbar!!
    Und ich finde, dass du ein ganz wunderbar anderer Mensch bist!!!
    M.

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    1. danke für deine netten worte.
      weiß nicht ob die kinder es heute leichter haben. welt bleibt immer irgendwie gleich. dann sind die probleme halt anders gelagert.
      alles liebe in den norden

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  5. Das Widersetzen hätte ich sehr gerne zu meinen Eigenschaften gezählt! Schade für mich.
    Worüber ich mir sehr oft Gedanken bis heute mache:
    Nie habe ich die Liebe meiner Mutter gespürt, nie hat sie mich so richtig in den Arm genommen!
    Warum?
    Weil ihre Mutter genauso war?
    Was ich so sehr vermisst habe mussten meine 3 Söhne "aushalten/erdulden". :-)

    In diesem Sinne:
    Glück ist, sein Kind zu lieben,
    das größte Glück jedoch ist,
    von seinem Kind geliebt zu werden.

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    1. ja, heute sehe ich es auch als vorteil, dass ich mich immer widersetzt habe. aber als kind war es sehr mühsam.
      alles liebe in deinen tag

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  6. Zwischen Lachen und Weinen erkenne ich mich in vielem von dem, was du schreibst - immer die Größte, die Trotzige, der passive Widerstand gegen alle...Allerdings habe ich es als Kind nicht mal im peinlichen Badeanzug auf die Bühne geschafft.

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    1. um so peinliche geschichten braucht man mich nicht beneiden ...
      sonnige grüße zu dir

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  7. Oh, Eine Entdeckung, dieses Blog - Danke! Und diese Muttergeschichte, die passt so haargenau, und ist eigentlich so ätzend (so empfinde ICH es), daß ich fast flennen könnte. Aber so gesehen hast Du recht: rückblickend können wir dankbar sein, getreu dem (idiotischen, aber eben doch manchmal wahren) Motto: was uns nicht umgebracht hat, hat uns stark gemacht. Ich wünsche Dir jedenfalls, daß Du NIE mehr (zumindest nicht gegen Deinen ausdrücklichen Willen) in rotgepunkteten Badeanzügen herumspringen musst.

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    1. danke für deine netten worten. es ist schön, dass du mich verstehst.
      lg zu dir

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  8. Wieder einmal ein Beitrag, den man hervorragend mehrfach lesen kann. Mit wechselnden Gefühlen. Lächelnd, oder auch traurig. Aber Du hast eine positive Bilanz gezogen, so will ich Deinen Rückblick denn auch in dieser Form ansehen. Anderssein schmerzt, bis man aufhört dies ändern zu wollen. Manchen gelingt das rasch, andere brauchen ein Leben lang dazu, oder schaffen es nie...

    Ich lese Dich so gern! Liebe Grüße zu Dir in die Ferne,
    Gabriele
    http://www.blog.de/user/prinzessinohneerbse/

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    1. ich habe ziemlich lange gebraucht, bis ich das positive kapiert habe. dass meine kraft auch aus dem vielunglücklichsein als kind kommt. und heute bin ich froh darüber.
      liebe grüße in den norden

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  9. es gibt viele die "anderen",gut das es die gibt, die "anders"sind ___

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  10. Liebe Ingrid,
    ich mag deine Art zu erzählen so gern, weil sie ohne falsche Sentimentalität die Dinge beim Namen nennt - und trotzdem gefühlvoll ist. Ich kann mich in dieser Art, die Welt zu sehen, so gut wiederfinden.
    Liebe Grüße in deinen Advent, Andrea

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