Dienstag, 10. April 2012

OSTERSPAZIERGANG

Den Osterspaziergang habe ich versucht.
Kurz ist er ausgefallen.
Kalt und unwirtlich war es.
An Goethe muss ich mich halten, der mögliche Frühlingswonnen beschreibt.
Dafür habe ich zweimal einen Hasen und den ersten Storch im Schnee gesehen.
Davon schreibt der Herr Geheimrat nichts.

Mit Goethe:
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden belebenden Blick,
im Tale grünet Hoffnungsglück;
der alte Winter, in seiner Schwäche,
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farben beleben;
doch an Blumen fehlt's im Revier,
sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden:
aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus den Straßen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluß in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
hier ist des Volkes wahrer Himmel,
zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

12 Kommentare:

  1. Herr Goethe hatte wohl mehr österliches Wetterglück - aber so im Allgemeinen haben sich eure Spaziergänge sicher nicht gross unterschieden, "dieweil die Vögelein schweigen im Walde...":
    Wichtig finde ich seinen letzten Vers!

    Dir eine feine, aufblühende Woche!
    Gruss, Brigitte

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  2. ja, der letzte satz ist der beste. und die vögelein sind auch im kalten ganz schön laut.
    hab einen feinen kurzwochenbeginn!
    lg zu dir

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  3. Das trifft des Pudels Kern ;)

    Liebste Grüß vom Superföhnalpenpanorama an der Donau
    Ursula

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    1. ich hab die alpen heute auch gesehen - wahnsinn. so nah, wie selten.
      liebgrüß zu dir

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  4. Einen Storch im Schnee? Der bringt wohl die Eisbabies zu den Eskimos hinauf und hat Station im Waldviertel gemacht denn als er über Wien flog war es ihm zu warm.
    Hier bin ich "Storch" hier darf ich sein.
    Fast den ganzen Text kann ich noch auswendig. Was haben wir damals für lange Gedichte auswendig lernen müssen. Hat es uns geschadet? Andrerseits hat es uns geholfen?
    Lg.Helga

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    1. ich trau es mich fast gar nicht sagen - ich hab die gedichte geliebt. sogar die glocke konnte ich auswendig und das freiwillig! so haben goethe und schiller immer noch gute sympathiewerte bei mir.
      liebe grüße in die große stadt

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  5. mein schwiegervater war ein schullehrer und konnte bändeweise balladen rezitieren
    ich habe später extra rilke gelernt um unterwegs mir was aufsagen zu können
    es soll das gedächtnis trainieren
    aber genau kann ich es nicht sagen
    wunderschöne bilder zu einem wunderschönen gedicht :)))

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    1. viellleicht sollte ich wieder anfangen balladen zu lernen - damit ich mir auch etwas vorsagen kann. "festgemauert in der erden ..." und so.
      liebe grüße zu dir

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  6. Angesichts der derzeit agierenden österreichischen PolitikerInnen gilt für mich nur noch Goethe's "Zauberlehrling" !

    Verspätet ostergrüßt

    Blinkyman

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    1. ach, politikerInnen - ich beachte sie nicht mal mehr.
      aber den "zauberlehrling" mag ich auch.
      der lässt sich auf viele themen im leben anwenden.
      liebgrüßt zu dir

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    2. Mit Deiner Einstellung, PolitikerInnen nicht einmal mehr zu beachten, machst Du dieser Kaste außerhalb der Wahlkampfzeiten die größte Freude. Denn dann können sie ihre primären Interessen, möglichst viel in eigene Taschen zu stopfen und möglichst wenig dem Volk zu dienen, ungestört und unbelästigt nachgehen.

      Manchmal frage ich mich, ob ich nicht einen falschen Beruf ergriffen habe - Politiker hätt ich werden sollen!

      Zu späte Erkenntnis resümiert

      Blinkyman

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    3. es ist nie zu spät - vielleicht magst du noch bei den piraten karriere machen!
      liebgrüßt in deinen tag

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