Samstag, 31. Juli 2010

WIE EISKALT IST DAS HÄNDCHEN

Vor einigen Jahren habe ich bei einem Antiquitätenhändler eine sehr hübsche, fast schwarze Biedermeier-Hand auf einem Sockel gekauft. Das Stück war detailgenau ausgeführt und ich hatte meine Freude daran, bis mich jemand aufklärte, dass ich ein Präparat erstanden hätte. Hat ausgesehen, wie aus Holz geschnitzt, war es aber eben nicht, sondern eine Menschenhand ausgestopft sozusagen. Im Biedermeier wurde schon einmal ein Händchen der Liebsten konserviert und als ewiges Andenken am Nachtkästchen aufgestellt. Der Umgang in dieser Zeit mit Tod war ein völlig anderer. Die durchschnittliche Lebenserwartung war niedrig. Viele Kinder haben das Erwachsenenalter nicht erreicht. Symbole der Endlichkeit waren alltäglich. Die Geschichte habe ich dann dem Freund mit Sinn fürs Makabere erzählt und er wollte für seine Kuriositätensammlung das seltene Stück gerne haben.
Bei unserem jetzigen Treffen sprach er davon, dass er mittlerweile das Händchen auch schon unheimlich findet ...
Wer mag schon zwischen abgeschnittenen Händen leben ...

Kommentare:

  1. Oh, das ist sehr makaber. Ich habe es in Nepal erlebt, daß dort wunderschön mit Leder bezogene und Silbernägeln verzierte Schalen angeboten wurden, in verschiedenen Größen. Viele kauften diese Sachen als Mitbringsel.
    Ich hatte eine Antipathie dagegen - und wie sich später herausstellte: zu Recht. Es handelt sich um die Hirnschalen von Menschen. Diese sind der Lohn für die Menschen, die bei den Verbrennungen darauf achten, das das Feuer immer gut glimmt. Eine Hirnschale verbrennt nicht.
    LG Irmi

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  2. aha, des rätsels lösung - ja, irgendwie atavisitisch, richtige reliqien. ich glaube, in deinem blog hattest du auch mal die hübsch mit blümchen und sinnsprüchen bemalten schädel im hallstätter beinhaus, oder?

    irgendwie beneide ich aber diese zeiten um ihren vertrauten umgang mit den toten. mein vater hat seinen corpus der uniklinik innsbruck vermacht. das ehrt ihn, lässt uns als zukünftige hinterbliebene aber auch ein wenig ratlos zurück. ich hoffe, er lebt noch lange...

    diesmal vom zwischen stopp bei den alten eltern in linz
    liebste grüß
    u

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  3. bei der adams(?)family fand ich das kalte händchen immer ganz goldig!!!
    aber zuhause ne fremde tote hand rumstehen haben??? eher nicht so mein ding.....
    grüße!!!
    waldwanderer

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  4. irmi:
    ja, für uns alles sehr makaber. weil wir den bezug zum tod verloren haben. früher hatte z.b. jeder arzt einen totenkopf und ein skelett in seinem behandlungszimmer. heute gibts alles nur aus plastik.
    lg

    nosch oko:
    ja, vom beinhaus in hallstatt gibts ein foto.
    das mit dem körper vermachen ist für mich auch gruselig. ich möchte nicht, dass alles in scheibchen zerlegt wird. ja, hoffentlich lebt dein vater noch lange bei bester gesundheit.
    lg

    waldwanderer:
    leider kann ich mich ans kalte händchen bei der adams family nicht erinnern. aber die serie mochte ich sehr. habe eben sinn fürs makabere, wenns nicht zu hautnah wird.
    lg

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  5. Wenn man den Tod nicht verdrängt, kommt auch das Leben näher.

    [Dass man im Biedermeier jedoch Körperteile in dieser Form als Erinnerung konservierte, war mir neu. Möglicherweise auch dem verkaufenden Antiquitätenhändler.]

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  6. walküre:
    das händchen ist als solches nicht erkennbar. sieht aus, wie aus holz. erst ein medizinisch gebildeter hat mich aufgeklärt.
    ja, ich glaube auch, das leben wäre intensiver und lebendiger, wenn wir die sterblichkeit im bewußtsein hätten.
    lg

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