Einen Zeitungsartikel (Die Presse - Walter Wippersberg) mit der Überschrift: "Wir sterben nie!" las ich dieser Tage.
"Unsere Vorfahren retteten ihre Seele, wir retten unsere Figur."
Das Thema stößt mich immer wieder sauer auf, rüttelt an meinem schlechten Gewissen und doch weiß ich, dass die Gesundheits-/Schönheitsdiktatur dazu gemacht ist.
Gemacht wird, dass wir uns erbärmlich fühlen, wenn wir den ständig auf uns einprasselnden Maximen nicht entsprechen.
Dieses goldene Kalb, um das wir uns trimmen sollen, ist dürftiger als vorangegangene.
Die Krankenversicherung, die auch meine ist, bietet jetzt eine Reduktion des Selbstbehaltes, wenn man mit dem Hausarzt vereinbarte Gesundheitsziele erreicht.
Ich will nochmals zitieren:
"Man kann darüber streiten, ob es sich bei der Anbetung der Gesundheit um eine richtige Religion oder doch nur um ein Religionssurrrogat handelt....Nur von Gesundheitswahn zu reden griffe jedenfalls zu kurz. Ich glaube, dass wir es in der Tat mit einer voll ausgebildeten Religion zu tun haben....Manche Riten und der bevormundende Blick auf den Menschen stammen aus der Verlassenschaft des Katholizismus, die puritanische Lust- und Genussfeindlichkeit kommt vom calvinistischen Protestantismus her, hinzu gesellen sich ostasiatische Elemente und vor allem ein sehr heutig-westlicher Glaube an die Wissenschaft, die medizinischen Studien (wie glaubwürdig oder auch abstrus sie sein mögen) sind die Dogmen dieser Religion."
...." Dümmer und erbärmlicher als die Gesundheitsreligion war noch keine. Ganz und gar diesseitig, wie sie ist, besteht das einzige Ziel für die Gläubigen darin, so lange wie nur möglich hier auf Erden zu verweilen. Anhänger älterer Religionen hofften immerhin noch auf ein ewiges Leben."
Der Wirtschaftsfaktor dieses Hype ist enorm, viele Industrien leben davon, die Medienlandschaft hat ein weites Betätigungsfeld und es ist nur zu wahr, dass nur in unserer sinnentleerten Zeit, diese lustfeindliche Diktatur entstehen konnte.
Unser Körper als Mittelpunkt, unser Körper als Sinn ansich.