Freitag, 18. Dezember 2009

WEIHNACHTSUNLUST


Nachdem ich in einer allseits beliebten Frauenzeitschrift gelesen habe,
dass jede schöne Erinnerungen an kindliche Weihnachten hat,
habe ich versucht nachzuvollziehen,
ob nicht auch verborgene geheime vergangene Weihnachtsfreuden in mir schlummern.
Unser Familienleben war durchschnittlich heil,
es wurde gefeiert, wie es sich gehört,
mit Baum und Geschenken reichlich,
es wurde nicht gestritten,
niemand war betrunken,
trotzdem erinnere ich mich nur,
dass ich jedesmal heilfroh war,
wenn alles vorbei war.
Dezember würde ich überhaupt ersatzlos streichen
und den gefundenen Monat im Sommer einschieben.
Erst ab Jänner gehts mir wieder halbwegs gut,
wenn all die vorhersehbaren Zwänge abgearbeitet sind.
Zwang ist das Zauberwort,
das mir die ganze kindliche Zeit vermiest hat -
alles war zwanghaft.
Engelchen und Deko satt über die Räume verteilt,
die Mutter mühte sich unter stillem Leiden nächtelang mit Keksebacken und Vorbereitungen ab,
bis zur letzten Sekunde war sie verhetzt und genervt.
Alles um uns ein schönes Fest zu bereiten.
Nur für die Familie.
Sie ist dann an der Festtagstafel zusammengebrochen
und für uns lautete der Befehl:
"Jetzt freut euch, das Christkind kommt."
Ich hab das schrecklich in Erinnerung.
Freude oder Fröhlichkeit hatten keinen Platz.
Seither feiere ich wie ich will,
meist gar nicht
oder ein wenig.
Und pflege meine Weihnachtsneurose/allergie.
Sollte ich einen Desensibilisierungsplan aufstellen?
Tage- und nächtelanges Abspielen aller Weihnachtslieder,
Kekse essen bis zum Abwinken,
lichterblinkende Deko allüberall,
Zwangsaufenthalt im Shoppingcenter,
sowie Besuch mehrerer Weihnachtsfeiern.
Danach ist sicher gar nichts mehr schlimm.
Danach laufe ich Amok.

Kommentare:

  1. ach lass mal das amoklaufen
    und ignorier einfach weihnachten
    es soll kulturen geben in denen das gar nicht vorkommt giggle

    AntwortenLöschen
  2. ich bin auch dafür den Dezember zu streichen ... einen zweiten Juli würde ich begrüssen ;)

    ich mag Zwänge auch nicht, zum Glück bin ich weit weg

    Liebe Grüsse
    Brigitte

    AntwortenLöschen
  3. birigit:
    bist du sicher, dass manche kulturen ohne weihnachten leben können?? kaum zu glauben bei all dem trara, das gemacht wird.

    brigitte:
    genau - im juli hab ich geburtstag, den feiere ich auch nicht, das dann gleich zweimal.
    liebe grüsse auf die insel.

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Ingrid,
    meine KIndheitsweihnachtserinnerungen
    ähneln den Deinen ganz schwer!!!
    Die sich mit dem Prachtsmenü für die ganze Familie vollkommen verausgabende Mutter hat sich allerdings regelmässig unterm Tannenbaum mit Rotwein betrunken-zur Belohnung und keinen Hehl aus ihrer Unzufriedenheit und ihren Neidgefühlen
    gegenüber dem Rest der Familie gemacht.
    Der Vater hat-im feierlichen Anzug-versucht Haltung und Disziplin in das eskalierende Theaterstückchen zu bringen.
    Jahrelang bin ich dem Weihnachten in ein Geschäft-meine Weihnachtsmarktkette geflohen.
    Da hatte ich wenigstens was vom Konsumterror!!!
    Eigentlich mag ich Weihnachten gar nicht.
    Dieses Jahr ist aber alles anders:
    der Sohn kommt von weither und ist zum Weihnachtsfreak mutiert:er freut sich an jedem Lichtlein und
    auf die "Besinnlichkeit"
    ...ich bin ein bißchen ratlos.
    Stela

    AntwortenLöschen
  5. ...einfach den ganzen Weihnachsrummel nicht beachten, und....tu was Dir Freude macht, liebe Ingrid.
    Wenn ich mir´s nicht in´s Bewußtsein holen würde, wüßte ich gar nicht, dass es Weihnachten ist.
    Na gut, Jörg wird am 24. sicher den Baum aufstellen und es schneit draußen.....
    Erinnerung an Weihnachten...??
    Viel Arbeit, Geruch nach Stollen und Lebkuchen, der Vater, der los zog und eine kleine Fichte aus dem Wald holte. Viel Süßigkeiten, besonderes Essen, ...und das zwanghaft Freuen und Singen....wie bei Dir auch.
    Na ja,....eigentlich feire ich ja eher die Wintersonnenwende....
    Ganz liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
  6. stela:
    wir werden es auch in diesem jahr hinter uns bringen. und manchmal ist es auch ganz nett. dein sohn freut sich - und du wirst dich freuen, weil er wieder da ist (geht er nach weihnachten wieder zurück nach japan?)und alle werden gut und viel essen, der schnee wird wegtauen, silvester kommt und danach läuft alles wieder im ganz normalen täglichen wahnsinn. und die weihnachtsneurose hat 11 monate zeit.
    lg
    ingrid

    AntwortenLöschen
  7. rosi:
    ich mach ohnedies was mich freut. und ich werde die rauhen nächte geniessen. viel in den wald gehen und drauf achten, was sich zeigt.
    habs gut.
    lg
    ingrid

    AntwortenLöschen
  8. ach, und ich dachte, du lebst an waldesrändern ziemlich abgeschottet von shoppingcennddernn-
    klar, die erinnerungen sausen in und durch die gedankenkammern. einfach verriegeln ist schwierig bis unmöglich. sanftes, akzeptierendes umgehen damit kann innerlich wärmen...
    gruß von sonia

    AntwortenLöschen
  9. sonia:
    ja, ich lebe abgeschottet. aber manchmal zieht es mich in die besiedelten niederungen. und die medien erzählen mir auch wochenlang von kaufräuschen. ich bin einfach froh, wenn der ganz normale alltägliche trott wieder stattfindet.
    lg

    AntwortenLöschen
  10. Wir feiern auch, wie wir wollen. Es gibt keine Zwänge mehr (bis auf meine alte Mutter). Ansonsten machen wir, was wir wollen: Deko in Maßen, dieses Jahr das erste mal keine Lust auf einen Weihnachtsbaum, nichts Blinkendes, keine Geschenke bis auf eine Kleinigkeit von mir an die Söhne. Selbst das Schreiben von Karten ist mir zu viel und zu lästig.

    AntwortenLöschen
  11. Weihnachten meiner Kindheit war einfach schön - dafür haben meine Eltern gesorgt und meine Mutter, die eine Intellektuelle war und nicht so toll backen konnte, dafür aber Kochen, gab sich Mühe - es kamen halt allerlei schiefe Plätzchen auf den Tisch und davon keine Unmassen - aber es gab sie mit Liebe gebacken- ich hab ein friedliches Gefühl - nur leider gings dann so nicht weiter, sondern als ich selber machen musste, wurde es nicht immer schön - um so mehr wundert es mich, dass meine Tochter so auf IHR Weihnachten besteht mit mir zusammen (wir waren 14 Jahre lang durch ein grosse Entfernung getrennt) und als ich andeutete, dieses Jahr keinen Weihnachtsbaum hier, da kamen ihr Tränen in die Augen, also gibts Weihnachtsbaum und nur uns zwei - die Jungs sind beim Vater.

    Weihnachten nervt mich , weils zu sehr glitzert , zum Konsummonster ausgeartet ist, den Sinn verliert, zusammen zu sein, sich warm im Herzen zu halten. Aber ich konsumiere ja nicht mit - ich mach sowas wie einen Tapasabend bei mir und gut is .... und so langsam wirds mir weihnachtlich im Herz, ganz ohne Druck.

    Und Zwang? Dazu bin ich einfach zu alt, mach ich mir nicht und anderen auch nicht ;)

    AntwortenLöschen
  12. april:
    deine beschreibung klingt nach entspannten tagen.
    lg

    marie:
    bei dir wird es sicher schön und gemütlich.
    lg

    AntwortenLöschen